Die Geburt des Kalbes ist ein kritischer Kontrollpunkt in der Milchviehhaltung.
Der Kontrollpunkt ist essenziell für die Milchproduktion, da Erkrankungen um den Geburtszeitraum die folgende Laktation beeinflussen.
Die Abkalbebox kann als „Nadelöhr“ gesehen werden, das alle Kühe durchlaufen.
Es besteht die Gefahr von Übertragungen von Infektionen.

Anforderungen Abkalbebox
Grundsätzliche Anforderungen an eine Abkalbebox
- Kontrollmöglichkeit der Tiere ohne Störungen
- Ausreichende Anzahl an Abkalbeplätzen
- Platz zur Geburtshilfe (sauberer, rutschfester Boden und Licht)
- Fixationsmöglichkeit
- Wasserversorgung
- Melkmöglichkeit
- täglich ausreichend Einstreu (8 – 12 kg pro Tier)
- Nicht als Krankenbox nutzen bei:
- Klauenerkrankungen
- eitrigem Ausfluss
- Mastitis
Rein-Raus-Prinzip (nach 24 Stunden)
Abkalbestall ≠ Krankenstall
Abkalbestall kann sich zur “Keimschleuder” im Betrieb entwickeln

Quelle: JLU/Repro

Quelle: JLU/Repro
- Anreicherung von Vielzahl potenziellen Aborterregern in Fruchtwasser und Nachgeburten
- In Nachgeburten gesunder Kälber lassen sich sehr große Erregermengen z.B. von Coxiella burnetti nachweisen
- Zoonosegefahr —> Arbeitsschutz

Quelle: JLU/Repro
Q-Fieber
Q-Fieber ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden kann. Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii verursacht, dass in Nutztieren wie Rindern, Schafen und Ziegen vorkommt. Die Infektion kann zu grippeähnlichen Symptomen beim Menschen führen und in schweren Fällen zu Lungen- oder Herzproblemen. Landwirte, die mit Nutztieren arbeiten, haben ein erhöhtes Risiko, sich mit Q-Fieber zu infizieren und sollten daher Schutzmaßnahmen ergreifen.
Q-Fieber wird hauptsächlich durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen (z.B. Kot, Urin, Milch, Fruchtwasser, Nachgeburten) übertragen. Auch Staub, Heu und Wolle können den Erreger lange Zeit beherbergen. Kühe ohne Krankheitssymptome können die Bakterien in hohen Konzentrationen mit dem Fruchtwasser ausscheiden. Die Bakterien überleben dann in der Umgebung und können andere Tiere und Menschen infizieren. Auch in Nachgeburten können sich hohe Konzentrationen der Bakterien befinden. Q-Fieber kann bei Rindern zu Fruchtbarkeitsstörungen, Nachgeburtsverhalten, Gebärmutterentzündungen und Abnahme der Milchleistung führen.
Bedeutung für den Menschen
Die Inkubationszeit beträgt 9 bis 40 Tage. Viele Infektionen verlaufen symptomlos oder mild. Mögliche Symptome sind plötzliches Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten und Brustschmerzen. Schwere Verläufe mit Lungen- oder Leberentzündung sind möglich, ebenso eine chronische Erkrankung (z.B. Herzklappenentzündung).
Wie kann man sich schützen?
Eine Impfung der Rinder ist der wirksamste Schutz. Die Impfung sollte mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Durch die Impfung kann die Ausscheidung von Erregern in der Herde reduziert werden. Gründliches Händewaschen nach Kontakt mit Tieren, insbesondere nach Geburtshilfe, deren Ausscheidungen oder Materialien, die kontaminiert sein könnten, ist wichtig. Hygiene in der Geburtshilfe (z.B. Schutzkleidung) schützt nicht nur Kuh und Kalb, sondern auch den Menschen.
Möglichkeiten der Gestaltung der Abkalbebox
Anbindehaltung
- Nicht empfohlen
- Ermöglicht kein Ausleben artspezifischer Verhaltensmuster zur Abkalbung
- Zu wenig Bewegungsfreiheit

Einzelabkalbebox
- 5 Tage vor der erwarteten Abkalbung
- Besser als Anbindehaltung
- Sichtkontakt zu anderen Kühen ermöglichen
- Mindestens 12 m² Größe
- Regelmäßig Nachstreuen
- Regelmäßig Reinigung und Desinfektion
- Zeitpunkt der Umstallung

Gruppenabkalbebox
- 5 Tage vor der erwarteten Abkalbung
- Besser als Anbindehaltung
- Weniger Arbeit als Einzelboxabkalbung
- Mindestens 10 m² Größe pro Tier
- Regelmäßig nachstreuen
- Regelmäßig Reinigung und Desinfektion
- Umstallungszeitpunkt

Zusammenfassung
- Ausreichende Anzahl Abkalbeplätze
- Gute Kontrollmöglichkeit der Tiere, ohne zu stören
- Möglichkeiten zur Geburtshilfe
- Hygiene
Weitere Informationen
Schwergeburten bei der Kuh
Schwergeburten haben sowohl für die Kuh als auch für das Kalb Bedeutung für das weitere Leben.
Die Auswirkungen einer Schwergeburt wirken sich auf die gesamte Laktation bzw. die Leistung des Kalbes als erwachsenes Tier aus.
Schwergeburt als Risikofaktor für andere Erkrankungen – Kuh
- Schwergeburten können zum unmittelbaren Tod der Kuh führen
- Folgeerkrankungen häufiger
- z. B. Mastitis, Nachgeburtsverhaltung, Ketose, Labmagenverlagerung
- Andere Erkrankungen haben eine schlechtere Prognose (z. B. Labmagenverlagerung)
- Milchmenge, Milchfett & Milcheiweiß sind in der folgenden Laktation reduziert
- in Folge einer Schwergeburt reduzierte Fruchtbarkeit
- Rückbildung der Gebärmutter nach Schwergeburt häufig gestört
- Tierwohl und ökonomische Bedeutung

Quelle: JLU/Repro

Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt
Die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt einer Kuh, auch Puerperium genannt, ist ein natürlicher Prozess, der etwa 4 bis 6 Wochen dauert. Während dieser Zeit entwickelt sich die Gebärmutter auf ihre ursprüngliche Größe zurück. Eine ungestörte Rückbildungsphase ist die Grundvoraussetzung für eine erneute Trächtigkeit. Kühe nach Schwergeburt zeigen häufig eineVerzögerung in der Rückbildung.
Phasen der Rückbildung
Die Gebärmutter ist nach der Austreibung des Kalbes stark erweitert und die Nachgeburt löst sich ab. Es kommt zu einem blutigen Ausfluss (Lochialfluss), der in den ersten Tagen dunkelrot und schleimig ist und mit der Zeit heller wird und in der Menge abnimmt. Der Ausfluss ist normal und ein Zeichen der Reinigung der Gebärmutter. Die Gebärmutterkontraktionen (Nachwehen) unterstützen die Rückbildung und das Ablösen der Nachgeburt. Für diese Kontraktionen ist u. a. eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Energie notwendig. Daher führen Stoffwechselstörungen häufig zu einer Verzögerung der Rückbildung. Die Gebärmutter schrumpft allmählich auf ihre normale Größe zurück. Die erste Brunst unterstützt diesen Prozess. Etwa 6 Wochen nach der Geburt ist die Rückbildung in der Regel abgeschlossen und die Kuh kann wieder tragend werden.
Schwergeburten beim Kalb
Schwergeburt als Risikofaktor für andere Erkrankungen – Kalb
Kälber aus Schwergeburten zeigen:
- erhöhte Krankheitsanfälligkeit (z.B. Lungenentzündung, Durchfall und Nabelentzündung)
- häufig Trinkschwäche
- Verletzungen durch die Geburtshilfe
- verminderte Kolostrumaufnahme durch Schwellungen im Kopfbereich
Die größte Bedeutung hat die mangelhafte Kolostrumversorgung.

Quelle: JLU/Repro

Quelle: JLU/Repro

Quelle: JLU/Repro
Kälber erkranken häufiger an:
- Durchfall
- Lungenentzündung
- Nabelentzündungen
Diese Erkrankungen führen zu einer schlechteren Fruchtbarkeit und Leistung der zukünftigen Kühe

Auswirkung einer Schwergeburt auf das weitere Leben betroffener Kälber:
- späterer erster Zyklus
- geringere Milchleistung
- geringere Tageszunahmen
Die Auswirkung einer Schwergeburt reicht weit in das Leben eines Kalbes hinein.
Zusammenfassung
Schwergeburten wirken sich negativ auf die Gesundheit und Leistung von Kühen und Kälbern aus.
Wichtig ist es rechtzeitig Geburten zu erkennen und zu erfassen, ob es sich um eine Schwergeburt handelt.





