Zum Inhalt springen

Geburtsüberwachung – Vertiefendes Wissen Tier

Vertiefendes Wissen Tier
Geburtsüberwachung

Systeme zur Geburtsüberwachung

Zur Überwachung der Geburt gibt es neben der regelmäßigen direkten Beobachtung verschiedene etablierte Systeme, die (je nach Anspruch und Möglichkeit des Betriebs) genutzt werden können:

Kamerabeobachtung mit & ohne KI

Kameraüberwachung ohne weitere Hilfsmittel 

Kameras werden über der Abkalbebox angebracht

Übertragung eines Live-Bildes via Internet auf ein Endgerät

Bitte beachten: Anbringung der Kameras abhängig von Herstellerangaben und Stallgegebenheiten. Kamera muss staub- und feuchtigkeitsresistent sein, ggf. Infrarotkamera für Nachtsicht.

Kamera über der Abkalbebox
Quelle: JLU/Repro

Vorteile und Nachteile Kamera ohne KI

  • räumliche Flexibilität
  • keine Störung der Tiere durch Beobachtung
  • moderne Stallkameras preiswert
  • Beobachtung muss aktiv erfolgen (kein Alarm vorhanden)
  • ggf. mehrere Kameras notwendig
  • ggf. Vorgaben des Datenschutzes beachten

1 / 2

Kameraüberwachung mit künstlicher Intelligenz

Vorteile und Nachteile Kamera mit KI

  • räumliche Flexibilität der Beobachtung
  • keine Störung der Tiere durch Beobachtung
  • Alarmfunktion
  • Meldung von Geburten
  • Vergleichsweise teure Technik
  • noch kein Praxissystem auf dem Markt (Stand 05/2025)

1 / 2

Sensoren am Tier

Sensoren an der Schwanzwurzel

Geburtsmelder werden nahe am Geburtszeitpunkt angebracht

Durch Abhalten des Schwanzes (= Geburtsanzeichen) Alarm

Geburtsmelder an der Schwanzwurzel
Quelle: JLU/Repro

Merke: Um die Kuh nicht zu verletzen, muss auf die korrekte Anbringung geachtet werden!

Vorteile und Nachteile Sensoren Schwanzwurzel

  • Alarmfunktion
  • Meldungen von Geburtsanzeichen
  • Überwachung von Einzeltieren
  • falsch positive Meldungen bereits vor der Geburt
  • muss an Einzeltier angebracht werden
  • Gefahr des Verlustes des Sensors
  • zu festes Anbringen kann zu Durchblutungsstörungen führen
  • Alarm muss vor Ort überprüft werden

1 / 2

Sensoren an Bein, Hals & Ohr

  • Sensoren werden am Bein, Hals, Ohr des Tieres angebracht
  • Erfassen Bewegungsaktivität und zum Teil Wiederkauaktivität und zum Teil andere Parameter
  • Hauptverwendung: Brunsterkennung und Tiergesundheitsüberwachung
  • Durch Veränderung der Sensordaten Geburtsalarm
Kuh mit Halsbandsensor
Quelle: JLU/Repro
Pedometer am Bein
Quelle: JLU/Repro

Vorteile und Nachteile Sensoren Bein, Hals und Ohr

  • Alarmfunktion
  • Meldungen von veränderten Sensorparametern
  • Überwachung von Einzeltieren
  • keine Erfassung von spezifischen Geburtsanzeichen 
  • weniger zuverlässig als andere Geburtsüberwachungssysteme
  • muss am Einzeltier angebracht werden
  • Gefahr des Verlusts des Sensors
  • Alarm muss vor Ort überprüft werden

1 / 2

Sensoren im Tier

Pansenboli

  • Bolus = zylindrischer Körper
  • Eingabe über das Maul mithilfe von Boluseingeber
  • Eingabe kann selbstständig nach Einweisung erfolgen
  • Sensoren werden in den Pansen des Tieres eingegeben, verbleiben in der Haube (Netzmagen)
  • Erfassung Bewegungsaktivität, Wiederkauaktivität, Temperatur und zum Teil Pansen-pH
  • Durch Veränderung der Sensordaten Geburtsalarm
Quelle: JLU/Repro
Dieses Bild basiert auf dem Werk „Ruminant Digestive System“ von Millardcrystal, 2021 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ruminant_digestive_system.png, lizenziert unter CC BY-SA 4.0, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de). Änderungen vorgenommen. Bild lizenziert unter CC BY-SA 4.0

Vorteile und Nachteile Sensoren Pansenboli

  • Alarmfunktion
  • Meldungen von veränderten Sensorparametern, z.B. Temperaturabfall 24 Stunden vor der Austreibungsphase
  • keine Erfassung von spezifischen Zeichen der Austreibungsphase
  • muss ins Einzeltier eingegeben werden
  • Alarm muss vor Ort überprüft werden

1 / 2

Scheidengeburtsmelder

  • Sensoren werden im geburtsnahen Zeitraum in die Scheide eingebracht
    • Eingabezeitpunkt nach Herstellerangaben
    • eigenständiges Einsetzen nach Einweisung
  • werden in Austreibungsphase ausgestoßen 
  • Temperaturänderung, Lichteinfall oder Bewegung als Auslöser für Geburtsalarm
Scheidengeburtsmelder eingelegt
Quelle: JLU/Repro
Scheidengeburtsmelder eingelegt
Quelle: JLU/Repro
Scheidengeburtsmelder uneingesetzt
Quelle: JLU/Repro

Vorteile und Nachteile Scheidengeburtsmelder

  • Alarmfunktion
  • Meldungen von Anzeichen der Austreibungsphase
  • Überwachung von Einzeltieren
  • bestimmte Formen der Schwergeburt können nicht erkannt werden (z.B. Gebärmutterverdrehung)
  • muss ins Einzeltier eingegeben werden
  • Alarm muss vor Ort überprüft werden
  • können zur Reizung der Scheidenschleimhaut führen

1 / 2

Zusammenfassung

Technische Systeme zur Geburtsüberwachung können Arbeitsentlastungen bringen.

Die Entscheidungen für ein System hängt von den Zielen der Investition ab (primäres Ziel Geburtsüberwachung oder Nebennutzung anderer Daten, z.B. von Systemen zur Brunsterkennung).

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Geburtsüberwachung nicht rein mit technischen Systemen zu gewährleisten.

Weitere Informationen