Es ist schon länger bekannt, dass Kolostrum Infektionsschutz verleiht, Nähr- und Baustoffe enthält, sowie Moleküle, die die Organentwicklung beeinflussen.
Neue Erkenntnisse sind, dass eine ausreichende Versorgung mit gutem Kolostrum mittel- und langfristige Folgen für das Kalb hat.

Einführung
Eine Verlängerung der Muttermilchgabe über die ersten zwei Tage (Transitmilchfütterung) führt zu einem verbesserten Infektionsschutz.
Transitmilch: Milch nach dem Erstkolostrum bis zum 5. Tag nach der Geburt, die eine veränderte Zusammensetzung im Vergleich zur „reifen“ Milch aufweist.
Bei Durchführung einer Muttertiervakzination gegen Kryptosporidien ist die volle Wirksamkeit nur bei der Fütterung von Transitmilch über die ersten 5 Lebenstage gegeben.
Kälber, welche die typischen Krankheiten (Durchfall, Nabelentzündung, Bronchopneumonie) entwickeln:
- Gehen häufiger ab
- Nehmen langsamer zu
- Zeigen später eine geringere Milchleistung
- Haben eine schlechtere spätere Fruchtbarkeit
Im Kolostrum befinden sich Hormone des Muttertieres, die die Organentwicklung des Kalbes positiv beeinflussen.
Kälber mit einer guten Kolostrumversorgung reagieren besser auf spätere Impfungen.
Merke: Eine gute Kolostrumversorgung rechnet sich das ganze Leben.
Positive Wirkung
Kolostrum zur Behandlung von Erkrankungen
Erste Untersuchungen zeigen, dass die Vertränkung von Kolostrum an Kälber mit Diarrhoe eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf hat.
Gute Kolostrumversorgung und Milchleistung
Eine gute Versorgung mit Immunglobulinen wirkt sich ersten Ergebnissen nach positiv auf die Leistung in der ersten Laktation aus.

Was beeinflusst die Kolostrumqualität?
Folgende Faktoren können zu einer mangelhaften Kolostrumqualität führen:
- Hitzestress
- Keine Trockenstehzeit: „Durchmelken“
- Zu kurze Trockenstehzeit
- Schwere Allgemeinerkrankungen des Muttertieres im letzten Drittel der Gravidität
- Zu geringe Zeit des Muttertieres sich mit dem Keimspektrum auseinanderzusetzen
- Beispiel: Zukauf hochträchtiger Färsen, die weniger Tage nach der Aufstallung abkalben, „Geburtsüberwachung“ in fremder Umgebung
- Euter-/Gesäugeerankungen in der Trockenstehzeit
- Milchabgang ante partum

Kann die Kolostrumfütterung auch schädlich sein?
Obwohl Kolostrum essenziell für den Aufbau des Immunsystems und die Versorgung mit wichtigen Nährstoffen ist, kann eine zu hohe Keimbelastung, eine falsche Verabreichung oder Probleme mit der Qualität zu gesundheitlichen Problemen führen.
Keimbelastung: Eine unzureichende Hygiene bei der Kolostrumgewinnung und -verabreichung kann zu einer hohen Keimbelastung führen. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn das Kolostrum vor der Vertränkung bei zu hoher Temperatur gelagert wird. Kolostrum von Kühen mit Euterentzündungen kann Keime enthalten oder weniger wirksame Antikörper aufweisen.
Die Keime im Kolostrum können im Darm des Kalbes zu Durchfall und anderen Infektionen führen. Beim Drenchen besteht die Gefahr, zu hohe Mengen von Kolostrum zu verabreichen. Es kommt zu einer Überladung des Magens und des Darmes. Darum: Nicht mehr als 3 bis 4 Liter – bei kleinen Kälbern 2 Liter.
In seltenen Fällen können über Kolostrum auch Krankheitserreger wie Mycobacterium avium spp. paratuberculosis (Ursache der Paratuberkulose) übertragen werden. In diesem Fall ist das Muttertier meist ohne erkennbare Symptome erkrankt und scheidet den Erreger über Kolostrum, Milch und Kot aus. Ein Baustein der Paratuberkulosesanierung kann die Pasteurisierung von Kolostrum vor der Vertränkung an das Kalb sein.
Weiterführende Informationen
Zusammenfassung
Der „vermehrte“ Arbeitsaufwand einer schnellen Kolostrumversorgung mit qualitativ hochwertigen und ausreichenden Menge Kolostrum, rechnet sich ein Kuhleben lang.
Die Kälber sind gesünder und damit weniger arbeitsintensiv.
Auch die Fütterung von Gemelken nach dem Erstkolostrum (Transitmilch) zeigt positive Effekte auf die Gesundheit der Kälber.



