Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen die Mutterkuh kein oder zu wenig oder Kolostrum mit zu geringer Qualität produziert.
In diesem Modul geht es darum, wie man sich darauf vorbereiten kann, damit das Kalb dennoch bestmöglich mit Kolostrum versorgt wird.

Kolostrumbank
Warum sollte man eine Kolostrumbank anlegen?
Die rechtzeitige Versorgung mit hochwertigem Kolostrum ist essenziell für Kälber.
Eine Kolostrumbank benötigt man, wenn eine Kuh im Bestand:
- Zu wenig Kolostrum produziert
- Kolostrum mit verminderter Qualität produziert
- Zu wenig Zeit hatte, sich an die betriebsspezifischen Keime zu gewöhnen
Welches Kolostrum eignet sich für eine Kolostrumbank?
- Das Kolostrum muss von einer klinisch gesunden Kuh kommen
- Die Kuh muss ausreichend lange im Bestand sein (> 2 Monate)
- Das Kolostrum muss sauber gewonnen werden
- Das Kolostrum darf keine offensichtlichen Abweichungen haben (Beimengungen von Blut, Flocken, …)
- Das Kolostrum sollte nicht zwischengelagert werden
- Das Kolostrum sollte einen Brix von > 22 aufweisen
Einfrieren und Auftauen
Wie wird Kolostrum eingefroren?
- Befüllung eines sauberen Behältnisses
- Größe und Form bestimmen die Auftaugeschwindigkeit
- Beschriftung mit:
- Datum
- Ohrmarke des Muttertieres
- Brix
- Tiefgefrieren bei – 20 ° Celsius
- Nicht länger als ein Jahr lagern

Quelle: JLU/Repro

Quelle: JLU/Repro
Wie wird Kolostrum aufgetaut?
- Im Wasserbad
- Wasser nicht wärmer als 40° Celsius
- Höhere Temperaturen führen zur Zerstörung von Antikörpern
Verarbeiten und Beeinflussen
Wie kann man Kolostrum verarbeiten / beeinflussen?
- Pasteurisieren
- Ansäuern
- Ziel:
- Verlängerung der „Haltbarkeit“
- Senkung der bakteriellen Belastung
- Sanierung von Paratuberkulose (nur Pasteurisierung)
Pasteurisieren
- Prinzip: Zufuhr von definierter Temperatur über einen definierten Zeitraum
- Für Kolostrum etabliert: 60 Minuten bei 60° Celsius
- Keine schlechtere Aufnahme der Antikörper durch die Kälber als bei unbehandeltem Kolostrum
- Aber unklar, welche Auswirkungen auf andere Inhaltsstoffe längerfristige Folgen haben
Ansäuern
- Prinzip: Zugabe einer Säure (z.B. Ameisensäure) zum Kolostrum
- Für Kolostrum etabliert: pH 4 – 4,5 durch Zugabe 40 – 45ml 10 % Ameisensäure pro 4 Liter Kolostrum
- Keine schlechtere Aufnahme der Antikörper durch die Kälber als bei unbehandeltem Kolostrum
- Reduzierte Aufnahme durch veränderten Geschmack?
Automatische Melksysteme (AMS) und Kolostrum
Für die Gewinnung des Kolostrums mit einem AMS gelten die gleichen Grundsätze wie für die manuelle Gewinnung.
Achtung
Ein kritischer Punkt ist die mögliche Verdünnung des Kolostrums mit anderer Milch im System.
Für Erstkalbende, die das AMS nicht tolerieren, muss eine Möglichkeit bestehen, das Kolostrum hygienisch einwandfrei zu gewinnen.
Das Abschalten der Vorreinigung macht die hygienische Gewinnung unmöglich.
Drenchen
Prinzip: Zwangseingabe von Kolostrum über eine Sonde
Kann lebensrettende Maßnahme für Kälber sein
Nicht mehr als 3 – 4 Liter bei normal großen Kälbern (2 Liter bei kleinen Kälbern)
Gefahren
- Gabe von Kolostrum in die Lunge
- Verletzung Kalb durch falsche Fixation oder Anwendung
- Zu große Menge der Eingabe
- Zurücklaufen des Kolostrums aus dem Pansen über die Speiseröhre und einatmen in die Lunge bei falscher Menge oder Lagerung des Kalbes
- Nach dem ersten Lebenstag gärt eingegebene Milch im Pansen und führt zu Symptomen wie beim Pansentrinken
Nur nach Einweisung durchführen!
Nur am ersten Lebenstag!
Zusammenfassung
Jeder Betrieb sollte sich eine Kolostrumbank anlegen.
Verarbeitung von Kolostrum führt zu einer Veränderung der Inhaltsstoffe.
Es sollten Verfahren verwendet werden, die den Antikörpergehalt im Kolostrum möglichst wenig verändern.
Korrekt durchgeführtes Drenchen der Kälber mit Kolostrum kann Kälberleben retten.



