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Geburtsüberwachung – Grundlegendes Wissen

Grundlegendes Wissen
Geburtsüberwachung

Warum sollte man sich mit Geburtsüberwachung befassen?

Geburtsanzeichen

Veränderungen an den äußeren Genitalorganen

Größenzunahme (Ödematisierung)

  • hormonell bedingte Schwellung durch Einlagerung von Wasser im Gewebe; findet vor der Geburt statt, z.B. am Euter oder in den äußeren Geschlechtsorganen

Schleimabgang

  • Ausfluss von zähflüssigem, meist klarem Sekret aus der Schamspalte; durch Auflösung des “Schleimpfropfs”, der den Muttermund zusätzlich verschließt
Vergrößerte Vulva
Quelle: JLU/Repro
Abgang von Schleim aus der Vulva
Quelle: JLU/Repro
Rötung der Scheidenschleimhaut
Quelle: JLU/Repro

Veränderungen im Beckenbereich

Lockerung der breiten Beckenbänder

Biegbarkeit der Schwanzspitze

Schwanzspitze ist kurz vor der Geburt vollständig biegbar
Quelle: JLU/Repro
Überprüfung der Festigkeit der breiten Beckenbänder
Quelle: JLU/Repro

Veränderungen am Euter

Aufeutern

Euterödem

  • Einlagerungen von Wasser ins Eutergewebe führt zu Schwellung des Euters
Kuh mit Euterödem kurz vor der Abkalbung
Quelle: JLU/Repro
Kuh mit hochgradig angebildetem Euter
Quelle: JLU/Repro

Zusammenfassung

  • Es gibt kein sicheres äußerliches, körperliches Anzeichen, welches eine genaue Voraussage des Geburtszeitpunktes ermöglicht.
  • Eine durchgehende Geburtsüberwachung ist optimal. Da dies häufig praktisch ohne technische Hilfsmittel nicht durchführbar ist, sollte die Geburtsüberwachung alle ein bis zwei Stunden durchgeführt werden. 
  • Die Kombination von Mensch und Technik erlaubt eine optimale Geburtsüberwachung → Kamera & Vorrichtungen, die sich in/an der Kuh befinden.
  • Wenn eine Kuh in Geburt erkannt wird, sollte sie überwacht werden. (Sichtkontrolle alle 15 Minuten)
  • Jede Störung kann zum Stillstand der Geburt führen. Kontrollen so viel wie nötig und so wenig wie möglich.

Geburtsablauf

Natürlicher Geburtsablauf

Vorbereitungs-Phase (mehrere Tage vor der Geburt)

Bereits 14 Tage vor dem errechneten Kalbetermin können Merkmale der Vorbereitung auftreten.

  • Aufeutern / Milchfüllung der Zitzen
  • Abgang Schleim
  • Aufweichung der Beckenbänder
Kuh mit weichen Beckenbändern
Quelle: JLU/Repro

Öffnungsphase (4 bis 24 Stunden)

  • Beginnt mit Öffnung des Muttermundes
  • Beginnende Wehentätigkeit
  • Eventueller Milchaustritt
  • Die Öffnungsphase endet mit platzender Fruchtblase

Einzelne Wehen dauern wenige Sekunden, die Wehentätigkeit wird erst durch den Abgang der Nachgeburt beendet.

Blick auf die Fruchtblase („Wasserblase“)
Quelle: JLU/Repro

Austreibungsphase (1 bis 4 Stunden)

  • Wehen mit Bauchpresse 
  • Austritt Fruchthüllen
  • Die Austreibungsphase endet mit Austreiben der Frucht
Kuh in der Austreibungsphase. Das Kalb ist bis zum Brustkorb aus dem Geburtsweg ausgetreten.
Quelle: JLU/Repro

Nachgeburtsphase (6 bis 12 Stunden)

  • Abgang der Nachgeburt

Wichtig: Überprüfen, ob die Nachgeburt vollständig ist. Entsorgung über die Tierkörperbeseitungsanlage. Manche Kühe fressen die Nachgeburt.

Abgang der Nachgeburt
Quelle: JLU/Repro

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Schwierigkeiten in der individuellen Überwachung

Achtung

Nicht erkannte Geburten führen zum Totalverlust.

Folgende Faktoren können dazu führen, dass Geburten nicht erkannt werden:

  • “Temperament” der Tiere
  • Überwachungsintensität (Kosten & Zeit)
  • Zahl der Tiere im Abkalbebereich (bei größeren Betrieben)
  • Fehler in der Aufzeichnung (Tiererkennung)
  • Personalverfügbarkeit im Notfall
Geburtsverletzung
Quelle: JLU/Repro
Aggressive Kuh im Abkalbestall
Quelle: JLU/Repro

Schwergeburten

Ursachen für Schwergeburten

  • zu große Kälber
  • zu geringe Wehentätigkeit
  • Enge im Geburtsweg (mangelhafte Öffnung des Muttermundes)
  • fehlerhafte Haltung der Beine und des Kopfes
  • Verdrehung der Gebärmutter
  • fehlerhafte Lagen & Stellungen
  • Zwillinge (Verkeilungen)
  • Missbildungen
Riesenkalb
Quelle: JLU/Repro
Zwillinge
Quelle: JLU/Repro
Missbildungen
Quelle: JLU/Repro

Informationen zur Gebärmutterverdrehung

Eine Gebärmutterverdrehung kann von außen nicht sicher erkannt werden. Bei einer Gebärmutterverdrehung kommt es schnell zur Schädigung des Kalbes. Mögliche Auffälligkeiten sind:

  • fehlender / kein Geburtsfortschritt
  • erst nach längerer Zeit: Einstellen der Futteraufnahme
  • noch später: Vergiftungserscheinungen 

Liegt der Verdacht auf eine Gebärmutterverdrehung vor, muss unverzüglich der Haustierärztin oder -arzt Bescheid gegeben werden.

Folgen einer Schwergeburt für die Kuh

Verletzungen des Muttertiers

Kalb steckt nach massiver Zughilfe im Geburtsweg fest – es entsteht eine Nervenquetschung, die zum Festliegen der Kuh führen wird.
Quelle: JLU/Repro
Abgestorbenes Vaginalgewebe nach schwerem Auszug führte zum Tod der Kuh durch Blutvergiftung
Quelle: JLU/Repro

Folgen einer Schwergeburt für das Kalb

  • 6-fach erhöhtes Risiko in den ersten 48 Lebensstunden zu versterben
  • Kälbererkrankungen nach Auszug deutlich höher als nach Spontangeburt (1,5-fach)
  • Todesfälle bei Kälbern bis 60. Tag nach Auszug deutlich höher als nach Spontangeburt (2,9‑fach)
Schlecht entwickeltes Kalb mit Durchfall
Quelle: JLU/Repro

Kälber aus Schwergeburten können stabilisiert werden durch: 

  • Sicherstellung der Atmung
  • Trockenreiben (z.B. mit Handtüchern)
  • saubere & weiche Aufstallung
  • Auskühlung verhindern (z.B. durch Wärmelampe oder Kälberdecke)
  • Kolostrum tränken
  • Hoftierärztin oder -arzt hinzuziehen bei Bedarf

Schwergeburten bedeuten

  • höhere Kosten für Arbeitszeit und Behandlung
  • eine höhere Anzahl toter Kälber
  • ein höherer Betreuungsaufwand für kranke Kälber
Kalb nach Schwergeburt trockengerieben. Zusätzlich wird diesem Kalb Sauerstoff vorgehalten.
Quelle: JLU/Repro
Trockene, gut eingestreute Box zur Aufstallung
Quelle: JLU/Repro

Schwergeburten können bedeuten

Geburtskontrolle

Achtung

Je früher eine Schwergeburt erkannt wird, desto geringer sind die Risiken und Schäden für Kuh und Kalb.

Wichtig: Zu häufige oder unüberlegte Kontrollen können den normalen Geburtsverlauf stören. Besonders Auszugsversuche bei noch nicht vollständig geöffnetem Geburtsweg führen oft zu Verletzungen.

Zu früher Auszug

  • Weicher Geburtsweg noch nicht ausreichend aufgedehnt
  • Erhöhte Verletzungsgefahr für Kuh und Kalb

Zu später Auszug

  • Erhöhtes Risiko für negative Folgen und Schäden beim Kalb
Gebärmutterriss nach übersehener Gebärmutterverdrehung
Quelle: JLU/Repro
Geburtsverletzung bei einer Kuh
Quelle: JLU/Repro

Wann muss kontrolliert werden?

Eine Kontrolle wird durchgeführt, wenn folgende Werte überschritten werden:

Dauer vom Erscheinen beider Klauenspitzen bis zur vollständigen Geburt:

Quelle: JLU/Repro

Eine Kontrolle wird durchgeführt, wenn folgende Werte überschritten werden:

Dauer vom Platzen der Fruchtblase bis zum Durchtritt des Kopfes: >1,5 Stunden

Dauer vom Austritt des Kopfes bis zur vollständigen Geburt:

Quelle: JLU/Repro

Teile der Nachgeburt werden sichtbar, bevor das Kalb geboren ist

Quelle: JLU/Repro

Hinweise auf Störungen des normalen Geburtsvorganges

  • Sohlen der Gliedmaßen zeigen nach oben
  • es erscheint nur eine Gliedmaße
  • es erscheint nur der Kopf
  • Klauen bleiben auf der Höhe des Flotzmauls
  • Bauchpresse & Wehen ohne, dass Fruchtteile sichtbar werden
Nur ein Bein und der Kopf ausgetreten
Quelle: JLU/Repro

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Wie muss kontrolliert werden?

Zur Dokumentation der Geburt sollte ein Geburtsüberwachungsprotokoll genutzt werden:

Download Geburtsüberwachungsprotokoll (Word)

Download Geburtsüberwachungsprotokoll (PDF)

Sauberkeit!

Durch jede Untersuchung werden Bakterien in die Gebärmutter gebracht. Je höher der Keimgehalt in der Gebärmutter, desto eher entwickeln sich Gebärmutterentzündungen.

Waschen des äußeren Genitals mit Seife
Quelle: JLU/Repro
Hände & Arme mindestens waschen, besser sind Handschuhe & Schutzkleidung
Quelle: JLU/Repro

Reinigung des äußeren Genitals

Bei der Geburtsüberwachung ist zu achten auf

Zusammenfassung

Die Geburt ist ein zentrales Ereignis für Kuh und Kalb. Sie ist die Weichenstellung für Tiergesundheit und hohe Leistung.

Das Kennen und Erkennen der Geburtsanzeichen ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Geburtsüberwachung.

Wiederholtes Erfassen der Geburtsanzeichen bringt die höchste Genauigkeit der Aussage. Geburtsüberwachung kann durch technische Hilfsmittel erleichtert werden.

Zu häufige Kontrollen können allerdings den Geburtsvorgang unterbrechen. Bei der Kontrolle ist auf ein sauberes Vorgehen zu achten.

Das rechtzeitige Erkennen von Schwergeburten rettet Leben. Es gibt eindeutige Anzeichen einer Schwergeburt.

Zeit für Geburtsüberwachung ist sinnvoll investierte Zeit.

Quiz zur Lernkontrolle

Frage 1
Welche Geburtsanzeichen treten NICHT vor der Geburt auf?
Geburtsanzeichen
Ödematisierung der äußeren Genitalorgane
Veränderungen im Bewegungs- und Fressverhalten
Verhärtung der Beckenbänder und der Schwanzspitze
Milchfüllung der Zitzen
weiter
Frage 1
Was ist die richtige Reihenfolge der Phasen der Geburt?
Geburtsablauf
Austreibungsphase, Vorbereitungsphase, Nachgeburtsphase, Öffnungsphase
Vorbereitungsphase, Öffnungsphase, Austreibungsphase, Nachgeburtsphase
Nachgeburtsphase, Öffnungsphase, Vorbereitungsphase, Austreibungsphase
weiter
Frage 1
Bei einer Schwergeburt hat das Kalb ein 6-fach höheres Risiko 48 Stunden nach der Geburt zu sterben.
Schwergeburten
richtig
falsch
weiter
Frage 1
Die Geburt kann automatisiert werden und verläuft bei jeder Kuh gleich.
Schwergeburten
Geburtskontrolle
richtig
falsch
weiter
Frage 1
Die Folgen einer Schwergeburt können Schmerzen und Verletzungen bei der Kuh sein.
Schwergeburten
richtig
falsch
weiter
Frage 1
Während der Öffnungsphase werden die Beckenbänder der Kuh weicher.
Geburtsablauf
richtig
falsch
weiter
Frage 1
Die Geburtsüberwachung muss alle 5 Stunden gemacht werden, weil technische Hilfsmittel die meiste Arbeit erledigen können.
Geburtsanzeichen
Geburtskontrolle
richtig
falsch
weiter
Frage 1
Die Austreibungsphase dauert mehr als 6 Stunden.
Geburtsablauf
richtig
falsch
weiter
Herzlichen Glückwunsch!

Quiz wiederholen
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