In diesem Abschnitt soll dargestellt werden, wie man mit den monatlich zur Verfügung stehenden Daten die Eutergesundheit einer Herde im Blick behalten kann, welche darüber hinaus gehenden Proben wann genau sinnvoll sind und wie man mit möglichen Befunden umgeht.

Zellzahl als Überwachungsinstrument
Das wichtigste Überwachungsinstrument für die Eutergesundheit ist die somatische Zellzahl
Einzeltier-ZZ aus der Milchleistungsprüfung (MLP)
- Die monatliche Zellzahl jeder einzelnen Kuh ermöglicht die präzise Identifikation von Tieren mit Mastitis.
- Eine Kuh gilt als eutergesund bis zu einer Zellzahl von 100.000 Zellen/ml Milch.
- Betrachtet man das arithmetische Mittel der Zellzahlen der gesamten Herde, ist ein Wert von unter 150.000 Zellen/ml Milch anzustreben.
- Liegt dieser Wert bei über 200.000 Zellen/ml Milch, sollten umfassende Maßnahmen ergriffen werden.
Tankmilch-ZZ
- Die regelmäßig von der Molkerei ermittelte Zellzahl der Tankmilch ist ein wichtiges Qualitätskriterium für die Bezahlung der Milch.
- Eine valide Aussage zur Eutergesundheit der Herde lässt die Tankmilch-Zellzahl nicht zu.
Während diese Daten auf das Vorhandensein von Entzündungen hinweisen, liefert nur die zyto-mikrobiologische Untersuchung einer Milchprobe die Antwort auf die entscheidende Frage: Welcher Erreger ist die Ursache?
Eutergesundheitskennzahlen
Für Betriebe, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnehmen, werden monatlich die Kennzahlen der Eutergesundheit berechnet und ausgewiesen. Sie geben einen guten Überblick über die Eutergesundheit einer Herde, lenken den Blick auf die „Problembereiche“ und können auch zur Erfolgskontrolle genutzt werden.
Zyto-mikrobiologische Untersuchung von Milchproben
„Zyto“ → Zellzahlen:
- Eine Kuh gilt als eutergesund bis zu einer Zellzahl von 100.000 Zellen/ml Milch
„Mikrobiologisch“ → Erreger:
- Den die Euterentzündung auslösenden Erreger im mikrobiologischen Labor nachweisen
- Hierfür müssen Erreger in ausreichender Menge in der Probe vorliegen und lebensfähig sein, sodass sie im Labor angezüchtet und anschließend identifiziert werden können
Im Grundlagenmodul wurde bereits die Milchprobenahme beschrieben, wann aber sind welche Proben wichtig?
Anlassbezogene Proben
- Probe von klinisch erkrankten Vierteln
- für die Therapieentscheidung und Prognose am Einzeltier
Repräsentative Leitkeimbestimmung
- repräsentativer Umfang von Viertelgemelksuntersuchungen auffälliger Viertel / Kühe (umfasst klinische und subklinische)
- für die Darstellung des Infektionsgeschehens in der Herde und Ableitung wesentlicher Prophylaxemaßnahmen
Untersucht wird in jedem Fall das Anfangsgemelk (Ausnahme Mykoplasmen-Diagnostik) und immer Viertelgemelke (kein Gesamtgemelk)
Bitte beachten: Auch in AMS-Betrieben eine Zwischenmelkzeit von 6 Stunden beachten
Erregerklassifizierung
Ist die Leitkeimbestimmung erfolgt, müssen passende Prophylaxemaßnahmen gewählt werden – eine Orientierung dazu, welche Maßnahmen beim jeweiligen Leitkeim am wichtigsten sind, bieten die folgenden Abschnitte. Sie stellen die Einteilung der Mastitiserreger in 3 Gruppen dar sowie die Risikofaktoren, die eine Infektion mit den jeweiligen Erregern begünstigen.
Umweltassoziierte Mastitis-Probleme
Problemkeime in der Umwelt: Äskulin positive Scc (z.B. Sc. Uberis), E. Coli, Coliforme Keime (z.B. Klebsiellen), Hefen und Prototheken
Risikofaktor 1: Umwelthygiene
- Liegeboxenbewirtschaftung
- Laufflächenbewirtschaftung
- Belegdichte
- Tierpflege (Haare kürzen)
Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der erkannten Hygienemängel (Stallbewirtschaftung / Herdenführung / Tierpflege)
Risikofaktor 2: Fütterung / Stoffwechsel
- Hypocalcämie
- Ketose / Überbelastung
- Subakute Pansenazidose (SARA) und andere Indigestionen
- Alimentäre Durchfälle
Prophylaxe muss ansetzen bei der Anpassung der Rationen! (Bilanzierung und tatsächlich vorgelegte Rationen)
Kuh- oder euterassoziierte Mastitis-Probleme
Problemkeime: S. Aureus, Sc. Agalactiae (Gelber Galt), Sc. Canis, Mycoplasmen, Hefen, Prototheken
Risikofaktor 1: Fehlende Melkreihenfolge
Ab 5 % infektiöser Kühe in der Herde wächst das Risiko für Infektionsweitergabe beim Melken auch bei perfekter Melkhygiene
Prophylaxe muss ansetzen bei der Schaffung einer Melkreihenfolge! (Euterselektionsgruppe, die als letztes gemolken wird! Zusätzlich Sanierung durch Merzung oder Behandlung)
Risikofaktor 2: Mängel in der Melkhygiene
- Einmalhandschuhe und Einmal-Reinigungstücher
- Vormelkbecher
- Zwischendesinfektion des Melkzeugs
- Zitzendesinfektion (Dippen)
Prophylaxe muss ansetzen bei der Einhaltung aller o.g. Hygienestandards im Melkstand.
Mastitis-Probleme mit KNS / NAS
Problemkeime auf der Euterhaut: KNS (NAS)
Risikofaktor 1: Spröde, rissige Zitzen
- Stark gekalkte Liegeboxen
- Nasse Zitzen bei Frost
- Verzicht auf Hautpflege beim Dippen
Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der o.g. Risikofaktoren
Risikofaktor 2: Zitzenkonditionsmängel (v.a. Hyperkeratosen Grad 3 & 4)
- Blindmelken wegen fehlerhafter Einstellungen (z.B. Vakuum / Pulsator)
- Blindmelken wegen fehlender Stimulation
- Blindmelken wegen kletternder Melkzeuge auf nasser Haut
Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der o.g. Risikofaktoren und bei der sachgerechten Melkarbeit!
Antibiotika-Einsatz
Der Griff zur Antibiotika-Tube ist nicht bei jeder Mastitis nötig.
Jeder, der Antibiotika beim Tier anwendet, sollte gut geschult sein und sich stets an ein betriebsindividuelles Therapiekonzept halten. Der Anwendung geht immer die Entscheidung über die Therapiewürdigkeit voraus, denn nur in bestimmten Fällen, in denen sie nachweislich (mit Evidenz) und nachhaltig helfen können, sollten Antibiotika eingesetzt werden!
Die folgenden Schemata können als Entscheidungsbaum genutzt werden und verweisen an entsprechender Stelle auch auf den (zusätzlichen) Einsatz eines Entzündungshemmers (NSAID):


Anwendungshygiene
Um bei der Behandlung einer Kuh nicht zusätzlichen Schaden anzurichten, ist eine sehr gute Anwendungshygiene unerlässlich!
Selektives Trockenstellen
Das pauschale antibiotische Trockenstellen aller Kühe einer Herde ist inzwischen verboten. Dennoch sollten euterkranke Kühe behandelt werden. Wie ist die Auswahl zu treffen?
Möglichkeit der Tierauswahl
Die nachfolgenden Paramater können für die Entscheidung, ob ein Antibiotikum zum Trockenstellen wirklich notwendig ist, herangezogen werden.
Keine Antibiose, wenn folgende Punkte zutreffen:
- ZZ – Historie der Kuh laut MLP: letzte 3 Kontrollen unter 100.000 Zellen / ml Milch
- Keine klinischen Mastitiden in den letzten 3 Monaten
- Schalmtest negativ
- Schnelltest negativ
- (Bakteriologische Untersuchung negativ)
Interne Zitzenversiegler
Der interne Zitzenversiegler ist eine gute Prophylaxemaßnahme von Neuinfektionen während der Trockenstehzeit. Bei sachgemäßer Anwendung verhindert er zuverlässig ein Eindringen von Erregern in das Euter. Eine exzellente Anwendungshygiene ist unerlässlich.
Soll die Kuh mit einem antibiotischen Trockensteller und einem internen Zitzenversiegler trocken gestellt werden, geht man wie folgt vor:
Download Anwendung Euterinjektor / Trockensteller (PDF)























