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Eutergesundheit – Vertiefendes Wissen Tier

Vertiefendes Wissen Tier
Eutergesundheit

Zellzahl als Überwachungsinstrument

Das wichtigste Überwachungsinstrument für die Eutergesundheit ist die somatische Zellzahl

Einzeltier-ZZ aus der Milchleistungsprüfung (MLP)

  • Die monatliche Zellzahl jeder einzelnen Kuh ermöglicht die präzise Identifikation von Tieren mit Mastitis.
  • Eine Kuh gilt als eutergesund bis zu einer Zellzahl von 100.000 Zellen/ml Milch.
  • Betrachtet man das arithmetische Mittel der Zellzahlen der gesamten Herde, ist ein Wert von unter 150.000 Zellen/ml Milch anzustreben.
  • Liegt dieser Wert bei über 200.000 Zellen/ml Milch, sollten umfassende Maßnahmen ergriffen werden.

Tankmilch-ZZ

  • Die regelmäßig von der Molkerei ermittelte Zellzahl der Tankmilch ist ein wichtiges Qualitätskriterium für die Bezahlung der Milch.
  • Eine valide Aussage zur Eutergesundheit der Herde lässt die Tankmilch-Zellzahl nicht zu.

Während diese Daten auf das Vorhandensein von Entzündungen hinweisen, liefert nur die zyto-mikrobiologische Untersuchung einer Milchprobe die Antwort auf die entscheidende Frage: Welcher Erreger ist die Ursache?

Eutergesundheitskennzahlen

Für Betriebe, die an der Milchleistungsprüfung (MLP) teilnehmen, werden monatlich die Kennzahlen der Eutergesundheit berechnet und ausgewiesen. Sie geben einen guten Überblick über die Eutergesundheit einer Herde, lenken den Blick auf die „Problembereiche“ und können auch zur Erfolgskontrolle genutzt werden.

Eutergesundheitskennzahlen

Anzahl eutergesunder Tiere

Ist der Anteil der Tiere mit ≤ 100.000 Zellen/ml Milch an allen laktierenden Tieren in der aktuellen MLP.

Spitzenbetriebe erreichen > 75 % eutergesunde Kühe

 Anzahl eutergesunder Tiere

Neuinfektionsrate in der Laktation

Ist der Anteil der Tiere mit > 100.000 Zellen/ml Milch in der aktuellen MLP an allen Tieren mit ≤ 100.000 Zellen/ml Milch in der vorherigen MLP.

Spitzenbetriebe erreichen < 15 %

Neuinfektionsrate in der Laktation

Neuinfektionsrate in der Trockenstehperiode

Ist der Anteil der Tiere mit > 100.000 Zellen/ml Milch in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Tieren mit ≤ 100.000 Zellen/ml Milch zum Trockenstellen.

Spitzenbetriebe erreichen < 15 %

Neuinfektionsrate in der Trockenstehperiode

Heilungsrate in der Trockenstehperiode

Ist der Anteil der Tiere mit ≤ 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Tieren mit > 100.000 Zellen/ml zum Trockenstellen.

Spitzenbetriebe erreichen > 75 %

Heilungsrate in der Trockenstehperiode

Erstlaktierenden-Mastitisrate

Ist der Anteil der Erstlaktierenden mit > 100.000 Zellen/ml in der ersten MLP nach der Kalbung an allen Erstlaktierenden in einem Jahr.

Spitzenbetriebe erreichen < 15 % 

Erstlaktierenden-Mastitisrate

Anteil chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten

Ist der Anteil der Tiere, die jeweils > 700.000 Zellen/ml Milch in den letzten 3 MLPs aufweisen, an allen aktuell laktierenden Tieren.

Spitzenbetriebe haben < 0,1 % solcher Tiere

Anteil chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten

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Zyto-mikrobiologische Untersuchung von Milchproben

„Zyto“ → Zellzahlen:

  • Eine Kuh gilt als eutergesund bis zu einer Zellzahl von 100.000 Zellen/ml Milch

„Mikrobiologisch“ → Erreger:

  • Den die Euterentzündung auslösenden Erreger im mikrobiologischen Labor nachweisen
  • Hierfür müssen Erreger in ausreichender Menge in der Probe vorliegen und lebensfähig sein, sodass sie im Labor angezüchtet und anschließend identifiziert werden können

Im Grundlagenmodul wurde bereits die Milchprobenahme beschrieben, wann aber sind welche Proben wichtig?

Anlassbezogene Proben

  • Probe von klinisch erkrankten Vierteln
  • für die Therapieentscheidung und Prognose am Einzeltier

Repräsentative Leitkeimbestimmung

  • repräsentativer Umfang von Viertelgemelksuntersuchungen auffälliger Viertel / Kühe (umfasst klinische und subklinische)
  • für die Darstellung des Infektionsgeschehens in der Herde und Ableitung wesentlicher Prophylaxemaßnahmen

Untersucht wird in jedem Fall das Anfangsgemelk (Ausnahme Mykoplasmen-Diagnostik) und immer Viertelgemelke (kein Gesamtgemelk)

Bitte beachten: Auch in AMS-Betrieben eine Zwischenmelkzeit von 6 Stunden beachten

Erregerklassifizierung

Ist die Leitkeimbestimmung erfolgt, müssen passende Prophylaxemaßnahmen gewählt werden – eine Orientierung dazu, welche Maßnahmen beim jeweiligen Leitkeim am wichtigsten sind, bieten die folgenden Abschnitte. Sie stellen die Einteilung der Mastitiserreger in 3 Gruppen dar sowie die Risikofaktoren, die eine Infektion mit den jeweiligen Erregern begünstigen.

Umweltassoziierte Mastitis-Probleme

Problemkeime in der Umwelt: Äskulin positive Scc (z.B. Sc. Uberis), E. Coli, Coliforme Keime (z.B. Klebsiellen), Hefen und Prototheken

Risikofaktor 1: Umwelthygiene

  • Liegeboxenbewirtschaftung
  • Laufflächenbewirtschaftung
  • Belegdichte
  • Tierpflege (Haare kürzen)

Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der erkannten Hygienemängel (Stallbewirtschaftung / Herdenführung / Tierpflege)

Risikofaktor 2: Fütterung / Stoffwechsel

  • Hypocalcämie
  • Ketose / Überbelastung
  • Subakute Pansenazidose (SARA) und andere Indigestionen
  • Alimentäre Durchfälle

Prophylaxe muss ansetzen bei der Anpassung der Rationen! (Bilanzierung und tatsächlich vorgelegte Rationen)

Kuh- oder euterassoziierte Mastitis-Probleme

Problemkeime: S. Aureus, Sc. Agalactiae (Gelber Galt), Sc. Canis, Mycoplasmen, Hefen, Prototheken

Risikofaktor 1: Fehlende Melkreihenfolge

Ab 5 % infektiöser Kühe in der Herde wächst das Risiko für Infektionsweitergabe beim Melken auch bei perfekter Melkhygiene

Prophylaxe muss ansetzen bei der Schaffung einer Melkreihenfolge! (Euterselektionsgruppe, die als letztes gemolken wird! Zusätzlich Sanierung durch Merzung oder Behandlung)

Risikofaktor 2: Mängel in der Melkhygiene

  • Einmalhandschuhe und Einmal-Reinigungstücher
  • Vormelkbecher
  • Zwischendesinfektion des Melkzeugs
  • Zitzendesinfektion (Dippen)

Prophylaxe muss ansetzen bei der Einhaltung aller o.g. Hygienestandards im Melkstand.

Mastitis-Probleme mit KNS / NAS

Problemkeime auf der Euterhaut: KNS (NAS)

Risikofaktor 1: Spröde, rissige Zitzen

  • Stark gekalkte Liegeboxen
  • Nasse Zitzen bei Frost
  • Verzicht auf Hautpflege beim Dippen

Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der o.g. Risikofaktoren

Risikofaktor 2: Zitzenkonditionsmängel (v.a. Hyperkeratosen Grad 3 & 4)

  • Blindmelken wegen fehlerhafter Einstellungen (z.B. Vakuum / Pulsator)
  • Blindmelken wegen fehlender Stimulation
  • Blindmelken wegen kletternder Melkzeuge auf nasser Haut

Prophylaxe muss ansetzen beim Abstellen der o.g. Risikofaktoren und bei der sachgerechten Melkarbeit!

Antibiotika-Einsatz

Der Griff zur Antibiotika-Tube ist nicht bei jeder Mastitis nötig.

Jeder, der Antibiotika beim Tier anwendet, sollte gut geschult sein und sich stets an ein betriebsindividuelles Therapiekonzept halten. Der Anwendung geht immer die Entscheidung über die Therapiewürdigkeit voraus, denn nur in bestimmten Fällen, in denen sie nachweislich (mit Evidenz) und nachhaltig helfen können, sollten Antibiotika eingesetzt werden!

Die folgenden Schemata können als Entscheidungsbaum genutzt werden und verweisen an entsprechender Stelle auch auf den (zusätzlichen) Einsatz eines Entzündungshemmers (NSAID):

Anwendungshygiene

Um bei der Behandlung einer Kuh nicht zusätzlichen Schaden anzurichten, ist eine sehr gute Anwendungshygiene unerlässlich!

Anwendungshygiene bei Antibiotika-Einsatz

Tier kennzeichnen

© Dr. Friederike Reinecke

Mit sauberen Händen / Handschuhen arbeiten

© Dr. Friederike Reinecke

Zitzenkuppendesinfektion

Zitze(n) danach trocknen lassen (beim Trockenstellen: erst die vom Melker abgewandten Zitzen bearbeiten)

© Dr. Friederike Reinecke

Kappe der Eutertube entfernen

danach Injektorspitze nicht mehr berühren; bei geteilter Kappe nur den oberen Kappenteil abziehen

© Dr. Friederike Reinecke

Einbringen in die Zitze

1 Tube je Zitze (beim Trockenstellen an den dem Melker zugewandten Zitzen anfangen); Präparat nicht hochmassieren; Packungsbeilage beachten.

© Dr. Friederike Reinecke

Dippen mit Zitzendesinfektion

Dippmulde im Anschluss wegen Hemmstoffgefahr ausspülen

© Dr. Friederike Reinecke

Tipp

Bei Injektoren mit geteilter Schutzkappe: den oberen Teil der Kappe entfernen. Die Injektorspitze darf nach dem Abziehen der Kappe nicht mehr berührt werden. Nun wird der Injektor gerade in den Zitzenkanal eingeführt. Der Tubeninhalt wird daraufhin sorgfältig in das jeweilige Viertel injiziert.

© Dr. Friederike Reinecke

Wie sollen die Eutertuben bis zur Anwendung gelagert werden?

Eutertuben sollten sauber gelagert werden und auch im Melkstand vor der Anwendung nicht verschmutzen. Keinesfalls dürfen die Tuben in Wasser eingetaucht werden.

Negativbeispiel: so sollte die Lagerung der Eutertuben NICHT aussehen.

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Selektives Trockenstellen

Das pauschale antibiotische Trockenstellen aller Kühe einer Herde ist inzwischen verboten. Dennoch sollten euterkranke Kühe behandelt werden. Wie ist die Auswahl zu treffen?

Möglichkeit der Tierauswahl

Die nachfolgenden Paramater können für die Entscheidung, ob ein Antibiotikum zum Trockenstellen wirklich notwendig ist, herangezogen werden.

Keine Antibiose, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • ZZ – Historie der Kuh laut MLP: letzte 3 Kontrollen unter 100.000 Zellen / ml Milch
  • Keine klinischen Mastitiden in den letzten 3 Monaten
  • Schalmtest negativ
  • Schnelltest negativ
  • (Bakteriologische Untersuchung negativ)

Interne Zitzenversiegler

Der interne Zitzenversiegler ist eine gute Prophylaxemaßnahme von Neuinfektionen während der Trockenstehzeit. Bei sachgemäßer Anwendung verhindert er zuverlässig ein Eindringen von Erregern in das Euter. Eine exzellente Anwendungshygiene ist unerlässlich.

Soll die Kuh mit einem antibiotischen Trockensteller und einem internen Zitzenversiegler trocken gestellt werden, geht man wie folgt vor:

Anwendungshygiene – Trockenstellen

Tier kennzeichnen

© Dr. Friederike Reinecke

Mit sauberen Händen / Handschuhen arbeiten

© Dr. Friederike Reinecke

Zitzenkuppendesinfektion

Zitze(n) danach trocknen lassen (beim Trockenstellen: erst die vom Melker abgewandten Zitzen bearbeiten)

© Dr. Friederike Reinecke

Kappe der Eutertube entfernen

danach Injektorspitze nicht mehr berühren; bei geteilter Kappe nur den oberen Kappenteil abziehen

© Dr. Friederike Reinecke

Einbringen in die Zitze

1 Tube je Zitze (beim Trockenstellen an den dem Melker zugewandten Zitzen anfangen); Präparat nicht hochmassieren; Packungsbeilage beachten.

© Dr. Friederike Reinecke

Zitzenkuppe fixieren

Zitzenkuppe mit Daumen und Zeigefinger fixieren und das Präparat mit den Fingern der anderen Hand hochmassieren; Zitze danach nochmal desinfizieren

© Dr. Friederike Reinecke

Kappe entfernen

Kappe des zuvor einige Zeit senkrecht auf dem Stempel gelagerten Versieglers entfernen

© Dr. Friederike Reinecke

Luftkissen entfernen

Luftkissen aus der Tube des Versieglers entfernen, indem vorsichtig der Stempel vorgeschoben wird

© Dr. Friederike Reinecke

Zitze abklemmen

Zitze an der Basis mit Daumen und Zeigefinger abklemmen / verschließen

© Dr. Friederike Reinecke

Versiegler langsam in die Zitze einbringen

Nicht mit viel Druck hochpressen – der Versiegler soll in der Zitzenzisterne “abgelegt” und nicht in sie hineingespritzt werden

© Dr. Friederike Reinecke

Zitzenbasis verschlossen halten

Zitzenbasis verschlossen halten während die Injektorspitze des Versiegler aus dem Zitzenkanal gezogen wird; erst jetzt Zitzenbasis freigeben

© Dr. Friederike Reinecke

Dippen mit Zitzendesinfektion

Dippmulde im Anschluss wegen Hemmstoffgefahr ausspülen

© Dr. Friederike Reinecke

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Download Anwendung Euterinjektor / Trockensteller (PDF)