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Transitkuhmanagement – Vertiefendes Wissen Betrieb

Vertiefendes Wissen Betrieb
Transitkuhmanagement

Bauliche Gegebenheiten

Bei Stallumbau oder -neubau sollten folgende Aspekte bedacht werden1:

  • Transitgruppen und deren Anordnung im Bestand
  • Liegeflächengestaltung (Art, Begrenzung, Einstreu)
  • Abkalbebucht
  • Melken von Kolostralmilch
  • Fressplatzgestaltung

Transitgruppen und deren Anordnung im Bestand

Die Transitgruppen umfassen:

  • Trockenstehende Kühe (6 – 8 Wochen vor dem Kalbetermin), idealerweise unterteilt in 
    • Frühe Trockensteher (erste 3 – 4 Wochen der Trockenperiode) 
    • Vorbereiter (letzte drei Wochen der Trockenperiode)
  • Kalbebucht
  • Gruppe der frischmelkenden Kühe

Nur weil trockenstehende Kühe nicht mehr gemolken werden, heißt das nicht, dass man diese nicht im Blick behalten sollte. Für die Kühe in den letzten Wochen vor der Geburt („Vorbereiter“) gilt das umso mehr.  Diese Kühe sollten in der Nähe der Abkalbebucht untergebracht sein. Beides gehört in einen Stallbereich, der von den Mitarbeitenden häufig frequentiert wird. Je kürzer die Wege zu diesen Kühen, desto öfter kommt jemand vorbei, der Probleme oder Geburten erkennen und bei Bedarf handeln kann. 

Zu beachten: Buchten der Vorbereiter sollten gut einsehbar sein (nicht zu tief, gute Lichtverhältnisse) um Kühe mit Gesundheitsstörung oder mit ersten Geburtsanzeichen erkennen zu können.

Liegeflächengestaltung

  • Kühe in der Vorbereitungsphase haben ein hohes Ruhebedürfnis und müssen 12 bis 14 Stunden pro Tag liegen können 
    • Ein-Flächen-Tiefstreu-Stall: mit Stroh eingestreute Liegefläche, häufiges Nachstreuen, um ein trockenes Liegen zu gewährleisten
    • Zwei-Flächen-Stall: mit Stroh eingestreute Liegefläche und Lauflächen am Fressplatz (Spaltenboden oder planbefestigt)
    • Alternative: weiche, trockene und korrekt dimensionierte Tiefboxen oder Hochboxen mit weicher Matte 
  • separate Entmistung ermöglichen, regelmäßig misten, danach genug Stroh für eine gute Liegematte einstreuen

Zur Gestaltung der idealen Vorbereitungsbucht finden Sie bei Transitkuhmanagement – vertiefendes Wissen Tier mehr Informationen.

Vorteile

  • Liegekomfort: Kühe haben ein hohes Ruhebedürfnis und müssen 12 bis 14 Stunden pro Tag liegen können, um wiederzukäuen2. Weiche, trockene und korrekt dimensionierte Tiefboxen sind dafür die Voraussetzung. Harte, feuchte oder zu kleine Liegeboxen verursachen Stress, reduzieren die Liegezeit und können zu Zitzenverletzungen, Klauenproblemen und Gelenksverletzungen führen. 
  • Laufflächen: Rutschfeste und saubere Laufflächen sind essenziell zur Vermeidung von Lahmheiten. 
  • Stallklima: Ein gutes Stallklima mit viel frischer Luft und ohne Zugluft ist entscheidend zur Prävention von Hitzestress im Sommer (beginnend ab einem Temperatur-Feuchte-Index von 68).3 Hitzestress reduziert die Futteraufnahme drastisch und erhöht das Krankheitsrisiko. Ventilatoren und Sprinkleranlagen sind eine lohnende Investition. Lassen Sie sich hierzu lüftungstechnisch beraten! 
Beispiel eines Ein-Flächen-Tiefstreu-Stalls (Gruppenbucht mit Stroheinstreu)
Quelle: RGD Thüringen
Eingestreute Hochbox mit weicher Matte
Quelle: RGD Thüringen

Abkalbebucht1

Eine Kalbebucht ist ein notwendiger Sonderbereich in einer Nutztierhaltung, bei der die ökonomische oder ökologische Bewertung als nebensächlich anzusehen ist. Es geht um das Optimum für die kalbende Kuh und das Neugeborene.    

Bedenken Sie: Eine Geburt ist immer ein Schwebezustand zwischen Leben und Tod! Die Kalbung ist ein tiergesundheitlich äußerst sensibler Bereich und ist entscheidend für einen gesunden Start in die Laktation.

Bei der Gestaltung und Instandhaltung der Abkalbebuchten sind unter anderem folgende Punkte zu beachten:

  • Kurzer Weg zur Transitgruppe (einfache Umstallung, Sichtkontakt zur Herde!)
  • Einzeln oder Gruppe?
    • Kalbebuchten für einzelne Kühe: mind. 12 m²
    • Gruppenkalbebuchten: bis zu 5 Kühe, mind. 10 m² pro Tier
  • Gut verformbarer Bodenbelag zum sicheren Ablegen und Aufstehen (mehrfach während der Geburt!)
    • mind. 5 kg Strohhäcksel je Bucht für Bindung der Feuchtigkeit und Nestbau
    • Gummimatte: muss sehr weich und trittsicher sein
  • Hoher Flüssigkeitseintrag durch Fruchtwasser  –  Hygiene gewährleisten!
    • Strohmatte regelmäßig wechseln, keine nassen Stellen!
    • Gut zu reinigende und zu desinfizierende Oberflächen  
  • Fixiermöglichkeit, möglichst durch eine Person bedienbar, mit Personenschlupf
  • Einstallung idealerweise 3 Tage vor Kalbetermin

Mehr Informationen zur Abkalbebox finden Sie im Modul zur Geburtsüberwachung.

Vorteile

Einzelkalbebuchten 

  • Keine Störung oder Verunreinigung durch andere Kühe
  • Zum Kalben ist der Platz sauber
  • Geringeres Infektionsrisiko für Kuh und Kalb
  • Sehr gute Überwachung des Kalbeverlaufs 
  • Keine Störung bei geburtshilflichen Tätigkeiten
  • Vermeidung von Fehlprägungen
  • Bei Einstallung Just-in-time (zu Beginn der Geburt, in Eröffnungsphase) muss diese unmittelbar neben der Vorbereitergruppe platziert sein, möglichst mit direktem Zugang

Gruppenkalbebuchten

  • Guter Überblick zur Überwachung in größeren Beständen
  • Keine Umstallung unmittelbar vor/in der Geburt
  • Einstallung in der Regel 3 Tage vor dem errechneten Geburtstermin

Platz für die Versorgung der neugeborenen Kälber

  • Separate Box zum Trocknen der Kälber (Abreiben mit Stroh, evtl. Wärmequelle) 
  • evtl. Waage zur Erfassung von Geburtsgewicht und später Tageszunahmen
Gut eingestreute Gruppenabkalbebucht
Quelle: RGD Thüringen
Fahrbare Rotlichtbox zum Trocknen und Wärmen von neugeborenen Kälbern
Quelle: RGD Thüringen
Kälberwaage zur Erfassung des Geburtsgewichts
Quelle: RGD Thüringen

Melken von Kolostralmilch

Die hygienische Gewinnung des Erstkolostrums und dessen schnelle Verabreichung an das neugeborene Kalb ist dessen Lebensversicherung! 

Kälber werden ohne Antikörper geboren (passive Immunabwehr) und müssen diese nach der Geburt aus dem Kolostrum aufnehmen.  Deshalb ist es entscheidend, dass Kälber innerhalb von 1 – 2 (maximal 4) Stunden nach der Geburt eine ausreichende Menge an Erstkolostrum erhalten (mindestens 2, besser 3 – 4 Liter). Trinkschwache Kälber sollten diese Menge in 2 – 3 Trinkmahlzeiten innerhalb von 6 Stunden erhalten.    

Mehr hierzu im Modul zur Kolostrumversorgung.

Bitte beachten: In der Abkalbebucht sollte das maschinelle Ermelken des Erstkolostrums gewährleistet sein, auch um notfalls liegende Kühe melken zu können.

  • Kleine transportable Kannen/Eimer-Melkanlage
  • Vakuumleitung für den Betrieb einer Kannenmelkanlage 
Abkalbebuchten mit Vakuumleitung (blau) zum Melken der Kühe
Quelle: RGD Thüringen

Das Abmelken von 2 Liter Erstkolostrum mit der Hand ist grundsätzlich möglich, jedoch bei kleinen Zitzen und prallen (ödematisierten) Eutern häufig schwierig und mit Schmutzeintrag in das Kolostrum verbunden. 

Die hygienische Gewinnung und Verabreichung von Kolostrum ist ein Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Kälberaufzucht. Erhöhte Keimzahlen können den passiven Transfer von Immunglobulinen der Mutter auf das neugeborene Kalb negativ beeinflussen, indem sie die Effizienz der Immunglobulin-Absorption reduzieren.4

Achtung

Das Verbringen der Kuh in den Melkstand ist mit folgenden Gefahren verbunden und wird daher nicht empfohlen:

  • Ausgrätschen beim Laufen unmittelbar nach der Geburt
  • Das Kolostrum wird länger nicht gewonnen (schlecht für das Kalb!), weil
    • die Kuh nicht oder erst spät aufsteht 
    • die Eingliederung in den Melkablauf Wartezeiten mit sich bringt 

  • Färsen/Kalbinnen kennen den Melkstand nicht und geraten in Stress

Fressplatzgestaltung

Vorbereiter 

  • Tier-Fressplatz-Verhältnis von mindestens 1:1
  • Störungsfreies Fressen ermöglichen (Fressgitter!)
  • Außenfütterung mit Überdachung kann durch Klima und optische Reize die Futteraufnahme anregen 
  • Futter regelmäßig ranschieben
  • Restfutter entfernen

Abkalbebucht

  • Tier-Fressplatz-Verhältnis von mindestens 1:1
  • Regelmäßig kleine Mengen frischen Futters anbieten
  • Regelmäßig zum Fressen animieren
  • Freier Zugang zu Tränkwasser, möglichst Trogtränke 

Weitere Informationen zur Fressplatzgestaltung finden Sie im Modul Transitkuhmanagement – vertiefendes Wissen Tier.

Bitte beachten: Grundsätzlich gilt bei allen Überlegungen: ständiger Zugang zu frischem Futter und Wasser muss gewährleistet sein

Überdachte Außenfütterung
Quelle: RGD Thüringen
Futtervorlage für eine kalbende Kuh
Quelle: RGD Thüringen
Trogtränke in einer Abkalbebucht
Quelle: RGD Thüringen

Qualifikation und Motivation des Personals

Die Transitphase birgt die meisten Risiken für die Gesundheit der Kühe und der neugeborenen Kälber. Die hier tätigen Mitarbeitenden sollen

  • gesundheitliche Risiken erkennen und bewerten können
  • selbstständig Entscheidungen treffen können, um Risiken abzuwenden und zu mindern
  • einen ruhigen Umgang mit den Tieren pflegen
  • hohe Arbeitsmoral und Motivation haben und bereit sein, notfalls über Schichtschluss hinaus zu arbeiten

Die Mitarbeitenden benötigen den „Blick für das Tier“ – Wählen Sie die am besten geeigneten Personen für diese Tätigkeit aus!

Grundsatz: Die besten Mitarbeitenden für die Transitphase!

Gesundheitliche Risiken erkennen und bewerten

Ein aktives Gesundheitsmonitoring ist eine zentrale Säule eines erfolgreichen Transitmanagements. Es geht darum, Probleme zu erkennen, bevor sie zu Erkrankungen werden. 

Trotz aller Technik ist das geschulte Auge des Herdenmanagers oder Mitarbeiters unersetzlich. Die tägliche, systematische Beobachtung der Tiere liefert wertvolle Informationen. 

Die Mitarbeitenden müssen die Kenntnisse und die Zeit haben, diese Informationen aufnehmen zu können. Die Mitarbeitenden benötigen außerdem die entsprechenden Fachkenntnisse und müssen Techniken der Gesundheitskontrolle und der einfachen Geburtshilfe erlernen – Organisieren Sie die notwendigen Schulungen und Trainings: 

Im Modul Transitkuhmanagement – vertiefendes Wissen Tier finden Sie weitere Informationen zur täglichen Gesundheitskontrolle bei Vorbereitern.

Zur Transitphase gehören auch die ersten Wochen nach der Kalbung. Diese „Frischmelker“ sind besonderen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Eine tägliche Gesundheitskontrolle hilft bei der Früherkennung. Legen Sie fest, wer für diese Kontrollen verantwortlich ist und kontrollieren Sie deren Durchführung! Die Mitarbeitenden benötigen ausreichend Zeit für diese Aufgabe. Gewähren Sie diese! 

Im Modul Transitkuhmanagement – vertiefendes Wissen Tier finden Sie weitere Informationen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen bei Frischmelkern.

Selbstständige Entscheidungen

Geburten erfordern sofortige Entscheidungen, diese müssen von den hier Mitarbeitenden getroffen werden können:

  • Notwendigkeit von Geburtshilfe: Jede Geburt braucht eine Aufweitungsphase, dazu braucht die Kuh Kraft, Zeit und Ruhe. Wenig erfahrene Mitarbeitende greifen zu schnell ein. Die Kunst besteht im fachkundigen Beobachten und Eingreifen zum richtigen Zeitpunkt, z.B. mit Zughilfe.  
  • Art des Eingriffs: Mitarbeitenden sollten über grundlegende Kenntnisse zu Lage-, Haltungs- und Stellungsanomalien verfügen, um einfache Korrekturen (z.B. ein eingeknickter Fuß) selbst durchführen zu können (spezifische Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich!).  
  • Notwendigkeit tierärztlicher Hilfe: rechtzeitiges Erkennen der eigenen Grenzen  
  • Prophylaxe des Ausgrätschens: z. B. Vergrittungsgeschirr 

Die Mitarbeitenden brauchen ausreichend Zeit für die Tierbeobachtung, insbesondere die Überwachung von Geburten. Ein Seitenblick der Melker auf dem Weg zur Pause ist definitiv zu wenig! 

Ruhiger Umgang mit den Tieren

Ein ruhiger, geduldiger und vorausschauender Umgang mit den Tieren ist gerade in der hochsensiblen Transitphase und beim Umgang mit kalbenden Kühen von unschätzbarem Wert.5 Stress führt zur Adrenalinausschüttung und damit unweigerlich zur Unterbrechung der Geburt. Dieser biologisch sinnvolle Mechanismus dient zum Schutz des Lebens bei drohenden Gefahren. Die mit der Pflege der Tiere betraute Person sollte von den kalbenden Kühen nicht als „drohende Gefahr“ wahrgenommen werden. 

Umgekehrt muss sich auch der Mitarbeitende vor unerwarteten Reaktionen der Kuh schützen. Gerade Kühe in der Geburt können extreme Schutzreflexe zur Verteidigung des neugeborenen Kalbes entwickeln. Daher sollen geburtshilfliche Eingriffe immer zu zweit durchgeführt werden oder es muss mindestens eine Person in der Nähe sein.

Der Arbeitgeber hat hier hohe Verantwortung für den Arbeitsschutz seiner Mitarbeitenden!

Hohe Arbeitsmoral und Motivation

Geburten halten sich nicht an Arbeitszeiten! 

Das Gegenteil ist der Fall: die meisten Kühe gebären, wenn niemand mehr im Stall ist und Ruhe herrscht. Daher haben sich Kamerasysteme zur Geburtsüberwachung und andere technische Hilfsmittel zur Geburtsüberwachung bewährt. 

Das beste Signal nützt nichts, wenn keiner reagiert. Qualifizierte Geburtsüberwachung ist der wirksamste Faktor zur Minderung der Totgeburtenrate6. Daher sind gerade im Bereich der Vorbereiter und Abkalbung Mitarbeiter mit hoher Arbeitsmoral nötig, um folgendes zur gewährleisten:

  • regelmäßige Kontrollen der Trockensteher und Vorbereiter auf Euterentzündungen (optimal: planmäßig wöchentlich auf dem Melkstand)
  • regelmäßige Kontrollen der Vorbereiter auf schlechte Futteraufnahme (optimal: planmäßig wöchentlich Pansenfüllung prüfen und dokumentieren)
  • regelmäßige Kontrollen der Vorbereiter auf Geburtsanzeichen, auch und gerade zum Schichtschluss  
  • frequente Kontrollen der kalbenden Kühe auf Geburtsstörungen (mindestens alle 2 Stunden)6
  • tägliche Kontrollen der Frischmelker auf gesundheitliche Störungen

Systematik ist häufig der Schlüssel zum Erfolg. Nutzen Sie feste Kontrollprotokolle für die Gesundheitskontrollen bei den Vorbereitern und frischmelkenden Kühen.

Wenn es gelingt, das Transitkuhmanagement optimal zu gestalten, wird der Erfolg die Mitarbeitenden motivieren. Misserfolge wirken demotivierend. Ursache dafür ist häufig nicht nur die fehlende Umsetzung von Vorgaben, sondern auch die suboptimale Organisation der Abläufe. Wie gut der Betrieb hier personell und technisch aufgestellt ist, wir von der Betriebsleitung entschieden.

Qualität von Futter und Tränke

Eine an die physiologischen Bedürfnisse der Transitkuh angepasste Fütterung ist die wichtigste präventive Maßnahme zur Vermeidung von Erkrankungen.

Beraten Sie mit Ihrem Herdenmanagement und unter Hinzuziehung von Fütterungsexperten sowie Ihrer Tierärztin/Ihres Tierarztes die Möglichkeiten zur Umsetzung der unten genannten Prinzipien. 

Futtermittelanalysen bringen Klarheit über den Nährstoffgehalt der wichtigen Einzelfuttermittel bzw. der fertigen Mischration.

Stoffwechseluntersuchungen anhand von Blut- und Harnproben helfen Ihnen, den Fütterungserfolg und die Gesundheit der Kühe in dieser wichtigen Phase am Start der Laktation zu beurteilen.  

Vorbereiter

1. Zwei-Phasen-Trockensteherfütterung: Nach der frühen Trockenphase (von Trockenstellen bis ca. 3 Wochen a. p.) mit einer rohfaserreichen Ration und niedrigerer Energiedichte muss den Kühen in der Vorbereitungsphase (die letzten 3 Wochen vor der Kalbung) eine Ration mit höherem Energiegehalt und guter Strukturwirksamkeit angeboten werden, um den Pansen an die Laktationsration zu gewöhnen und die Futteraufnahme unmittelbar vor der Kalbung zu maximieren.5

2. Milchfieber-Prophylaxe mittels DCAB-Konzept

  • Achten Sie beim Einkauf saurer Salze auf Qualität. Die Zusatzstoffe müssen wirksam sein, aber die Schmackhaftigkeit der Vorbereiter-Ration darf nicht beeinträchtigt werden

3. Maximierung der Futteraufnahme: 

  • schmackhaftes Futter guter Qualität, keine minderwertigen Silagen an Transitkühe!
  • Stimulation der Futteraufnahmen durch regelmäßiges Ranschieben des Futters 
  • Restfutter entfernen

4. Wiederkäuergerecht füttern: den Pansen in Bewegung halten!

  • Häckselstroh in die Mischration einmischen
  • Heu zur freien Aufnahme anbieten

5. Gezielte Ergänzungen: 

  • Bei Risikotieren (z.B. überkonditionierte Kühe, Kühe mit Zwillingsgeburten) kann die präventive Gabe von glukoplastischen Substanzen wie Propylenglykol in den Tagen um die Kalbung einer subklinischen oder klinischen Ketose vorbeugen.7

6. hygienische Qualität des Grundfutters:

  • Nacherwärmte oder schimmelige Silagen mit hohen Gehalten an Mykotoxinen reduzieren nicht nur die Futteraufnahme, sondern belasten auch das Immunsystem und die Leber.
  • Nehmen Sie Einfluss auf die Bereitung hochqualitativer Silagen. 
  • Achten Sie beim Einkauf von Futtermitteln auf Qualität und Haltbarkeit (Kritisch sind z.B. Treber, Trester, frische Rübenschnitzel)

7. Tränkewasserhygiene: 

  • Tränkwasser sollte Trinkwasserqualität haben oder regelmäßig untersucht werden (Gehalt an geschmacksverändernden Metallen und Salzen) und hygienisch einwandfrei angeboten werden (regelmäßige Reinigung der Tränken)

8. bedarfsgerechte Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen: stärkt die Abwehrkraft und sichert eine gute Fruchtbarkeit. 

  • gute Selen-Versorgung der Mutter ist entscheidend für guten Immunglobulintransfer an das Kalb8
  • Kupfer, Zink nach Bedarf (Unter- und Überversorgung vermeiden) 
  • Vitamin E und Beta-Carotin

Fütterung kalbender Kühe und Frischmelker

Kalbende Kühe in der Abkalbebox sollten mehrmals täglich kleinere Mengen der beschriebenen (hochwertigen!) Vorbereiter-Ration angeboten bekommen. 

Für Frischmelker gelten die für Vorbereiter beschriebenen Prinzipien 3 – 8 analog!  

Mehr Informationen zur Fütterung in der Transitphase – insbesondere in der Vorbereitungsphase und zur Altmelkerfütterung – finden Sie im Modul Transitkuhmanagement vertiefendes Wissen Tier.

Bitte beachten: Grundsätzlich gelten für die Fütterung in der gesamten Transitphase folgende Punkte:

  • ständiger Zugang zu frischem Futter und Wasser
  • maximale Futteraufnahme anstreben
  • beste Futter- und Wasserqualität

Quellen und weiterführende Literatur

1 Gesamtbetriebliches Haltungskonzept Rind – Milchkühe. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hrsg.). BLE Medienservice: Bonn, 2022. 

2 Hulsen, J. Kuhsignale: Krankheiten und Störungen früher erkennen. Münster: Landwirtschaftsverlag, 2004

3 Gernand, E., König, S., & Kipp, C. (2019). Influence of on-farm measurements for heat stress indicators on dairy cow productivity, female fertility, and health. Journal of Dairy Science, 102(7), 6660–6671. https://doi.org/10.3168/jds.2018-16011

Gelsinger, S. L., Jones, C. M. & Heinrichs, A. J. (2015) Effect of colostrum heat treatment and bacterial population on immunoglobulin G absorption and health of neonatal calves. Journal of Dairy Science 98, 4640–4645

5 Möcklinghoff-Wicke, S. (2022) Kuhkomfort ist mehr! – Kuhkomfort kann den Kühen und den Menschen mehr Produktivität im bestehenden Stall ermöglichen. Im Internet: https://www.proteinmarkt.de/aktuelles/details/news/kuhkomfort-ist-mehr-kuhkomfort-kann-den-kuehen-und-den-menschen-mehr-produktivitaet-im-bestehenden-stall-ermoeglichen;  Stand 23.12.2025

6 Gundelach, Y., Essmeyer, K., Teltscher, M. K., & Hoedemaker, M. (2009). Risk factors for perinatal mortality in dairy cattle: cow and foetal factors, calving process. Theriogenology71(6), 901–909. https://doi.org/10.1016/j.theriogenology.2008.10.011

7 FiBL. Euter- und Stoffwechselgesundheit bei Biomilchkühen (2012). Im Internet:  https://www.fibl.org/fileadmin/documents/shop/1580-milchviehgesundheit.pdf, Stand 23.12.2025. 

8 Bellmann, D., Donat, K., Humann-Ziehank, E., Gärtner, T., Wehrend, A., & Klassen, A. (2025). Impact of maternal serum selenium concentration on postpartal serum concentrations of selenium and immunoglobulins in dairy calves – A field study. Journal of Trace Elements in Medicine and Biology: 89, 127656. https://doi.org/10.1016/j.jtemb.2025.127656