Zum Inhalt springen

Transitkuhmanagement – Vertiefendes Wissen Tier

Vertiefendes Wissen Tier
Transitkuhmanagement

Übersicht Transitphase

Die Transitphase beschreibt den Zeitraum von 30 Tagen vor der Kalbung bis 30 Tage nach der Kalbung.

In den 30 Tagen vor der Kalbung:

  • wird der Verdauungstrakt auf das kommende Leistungsfutter vorbereitet,
  • wird die bevorstehende Kalbung metabolisch und hormonell vorbereitet,
  • wird das Eutergewebe für die bevorstehende Laktation „reaktiviert“,
  • wird das Kolostrum gebildet

In den 30 Tagen nach der Kalbung:

  • läuft der Rückbildungs- und Säuberungsprozess der Gebärmutter,
  • werden die Fortpflanzungsorgane auf einen neuen Brunstzyklus vorbereitet,
  • steigt die Milchbildung und somit die Milchleistung,
  • erfolgt oftmals eine weitere Futteranpassung

Folgende Kennzahlen können Hinweise für gesundheitliche Defizite in der Transitphase geben:

  • Viele Kühe kommen nicht in die nächste Laktation 
  • Die Anzahl der Kühe nimmt von Laktation zu Laktation schnell ab
  • In der ersten Laktation befinden sich viele Tiere (es muss viel nachgestellt werden)
  • Die Abgangs- und Remontierungsraten sind hoch
  • Abgänge ereignen sich oft im ersten Teil der Laktation
  • Der Anteil der Kühe mit hohen Fettwerten in den ersten zwei Milchkontrollen ist hoch (Tiere mit hohem Energiemangel mobilisieren viel Fett, was am hohen Fettgehalt in der Milch ersichtlich ist)

Fütterung

Durch eine richtige Fütterung vor und während der Transitphase können Krankheiten und Komplikationen bei der Geburt vorgebeugt werden. Besonders wichtig sind hierbei die Altmelkerfütterung sowie die Vorbereitungsfütterung direkt vor der Geburt.

Altmelkerfütterung

Gegen Ende der Laktationsperiode ist die Milchleistung bei Kühen reduziert. In konventionellen Verfahren werden altmelkende Kühe in Extra-Fütterung gesetzt, in der das Futter weniger energiereich ist, da die Milchleistung geringer ist und übermäßige Energie nicht in Körperfett oder Kälbergröße fließen soll – sie sind also auf Diät.

Nach dem Trockenstellen geht bei der Kuh keine Energie mehr in Form von Milch „verloren“ (weil die Kuh trockensteht). Deshalb muss die Energiemenge des Futters zusätzlich reduziert werden, da die Kuh sonst zunimmt, was zu Problemen bei der Geburt führen kann.

Zum Trockenstellen überkonditionierte Kühe haben ein höheres Risiko für

  • eine geringere Futteraufnahme in den letzten Tagen vor der Kalbung
  • Schwergeburten
  • Festliegen rund um die Geburt
  • Nachgeburtsverhaltung und/oder Puerperalstörung
  • Labmagenverlagerung

Wenn das Kalb zu dick wird, passt es nicht mehr durch den Geburtskanal. Wenn die Kuh zu viel Fett abgenommen hat, befinden sich freie Fettsäuren (NEFA) und Ketonkörper (BHB) im Blut – die Schlüsselindikatoren für eine subklinische Ketose. Die Kuh ist hier in Gefahr stoffwechselkrank zu werden. Dann frisst die Kuh nach der Kalbung nicht und magert ab. In diesem Zug müssen Folgekrankheiten nach der Kalbung und Geburtsstockung verhindert werden.

Fütterung in der Vorbereitungsphase

Die Fütterung in der Trockenstehzeit folgt in der Regel einem Zwei-Phasen-Konzept:

  • An eine energiearme und rohfaserreiche Phase für die Frühtrockensteher
  • schließt etwa drei Wochen vor der Kalbung die entscheidende Vorbereitungsfütterung an. Ziel dieser Phase ist es, den Pansen – sowohl die Pansenmikroben als auch die Pansenzotten – schrittweise an die energiereiche Ration der laktierenden Kühe zu gewöhnen. Eine abrupte Umstellung bei der Kalbung würde zu schweren Verdauungs- und Stoffwechselstörungen führen.

Die Vorbereiter-Ration: 

Die Ration in dieser Phase sollte bereits Komponenten enthalten, die auch die Frischmelker erhalten, wie z.B. einen Teil der Maissilage und des Kraftfutters der Laktationsration. Dies ermöglicht eine sanfte Anpassung der Pansenflora. Um eine ausgewogene Versorgung der Kühe sicherzustellen, kann eine Fütterungsberaterin oder -berater mit hinzugezogen werden.

Die DCAB-Diät (Kationen-Anionen-Bilanz):

Ein zentrales Element der Vorbereitungsfütterung ist die gezielte Steuerung der Kationen-Anionen-Bilanz (englisch: Dietary Cation-Anion Difference, DCAD oder DCAB). Durch den Einsatz sogenannter „saurer Salze“ (z.B. Magnesiumchlorid, Calciumsulfat) wird die Ration anionisch, also „sauer“, gestaltet (eine Fütterungsberaterin oder -berater sollte hierbei mit hinzugezogen werden). Dies führt zu einer leichten metabolischen Azidose im Körper der Kuh. Dieser Zustand „trainiert“ den Hormonhaushalt der Kuh darauf, aktiv Kalzium aus den Knochenreserven zu mobilisieren. Wenn dann mit dem Einsetzen der Milchproduktion der Kalziumbedarf schnell stark ansteigt, ist der Stoffwechsel bereits aktiviert und kann den hohen Bedarf decken. Ein gefährlicher Abfall des Blutkalziumspiegels, der zu klinischem oder subklinischem Milchfieber führt, wird so wirksam verhindert. Die Wirksamkeit der DCAB-Fütterung kann und sollte im Stall durch die regelmäßige Messung des pH-Wertes im Harn der Kühe kontrolliert werden; ein Wert zwischen 6,2 und 6,8 gilt als optimal.

Zur Gebärpareseprophylaxe gibt es außer dem Einsatz saurer Salze auch weitere Fütterungsmöglichkeiten wie beispielsweise eine kalziumarme Fütterung. Diese muss auch gut überwacht und kontrolliert werden.

Bitte beachten: Auch bei der DCAB-Diät sollte eine Fütterungsberaterin oder -berater mit hinzugezogen werden. Die Berechnung der DCAB der Ration sowie Art und Menge an sauren Salzen hängt von den Inhaltsstoffen des Futters ab, bei Futterwechsel ist eine neue Berechnung notwendig.

Bei Färsen sollten keine sauren Salze in der Fütterung eingesetzt werden, da diese noch keine Regulierungsprobleme im Kalziumhaushalt haben. Wo möglich, ist eine gesonderte Vorbereitungsfütterung für Färsen empfehlenswert.

Praxistipps zur Futtervorlage

  • Selektion vermeiden: Ein häufiges Problem ist, dass die Kühe die Ration selektieren, also nur die schmackhaften Teile (z.B. Kraftfutter) herausfressen und strukturreiches Futter (Stroh) liegen lassen. Dadurch entspricht die aufgenommene Ration nicht mehr der berechneten. Um dies zu verhindern, muss das beigemischte Stroh sehr kurz gehäckselt sein (Halmlänge ca. 3 cm, z.B. durch den Einsatz einer Strohmühle) und die gesamte Mischration (TMR) muss homogen und ausreichend feucht sein. Gegebenenfalls muss Wasser zugemischt werden. Die Beurteilung der Mischgenauigkeit mittels einer Schüttelbox ist eine wichtige Kontrollmaßnahme. Bei der Rationsberechnung kann die Unterstützung einer Fütterungsberaterin oder -berater hilfreich sein.
  • Futteraufnahme maximieren: Eine hohe und konstante Futteraufnahme in den letzten Tagen vor der Kalbung ist der beste Schutz vor Stoffwechselproblemen danach. Tiere, die vor der Kalbung schlecht fressen, werden es auch danach tun, was ihr Risiko für Ketose stark erhöht. Daher muss das Futter ständig verfügbar sein und mehrmals täglich, auch nachts, an das Fressgitter nachgeschoben werden.

Futtervorlage

Heu, aber auch Mineralfutter (Leckschalen) und Viehsalz helfen vor allem während der Transitphase den individuellen Bedarf zu decken

Quelle: RGD Thüringen

Eine homogene Futterration fördert die Futteraufnahme und beugt Entmischung und Aussortieren durch die Kühe vor.

Quelle: RGD Thüringen

Das Vorhalten größerer Futtermengen kann den Verderb und die mikrobiologische Belastung des Futtermittels begünstigen. Klumpenbildung kann ein Anzeichen von Schimmelbildung bzw. Schimmelnestern sein.

Quelle: RGD Thüringen

Schlechte Futterqualität: Verdorbene Grassilage durch falsche Erntetechnik und falschem Silierzweitpunkt – zu feucht, hoher Erdeintrag

Quelle: RGD Thüringen

Die Art der Silogestaltung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Futtermittelqualität. An oder auf bereits teil- oder fertigsilierte Silagen vermindert die Qualität des Siliervorgangs und fördert den Verderb der Futtermittel.

Quelle: RGD Thüringen

In den oberen Schichten des Silostocks kann es zu Schimmelbildung kommen. Diese Schicht muss großzügig entfernt und verworfen werden. Je breiter das Schimmelband ist, umso höher ist das Risiko der mikrobiologischen Belastung des gesamten Silos.

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

Zusammenfassung Fütterung

  • Durch richtige Fütterung können Krankheiten und Schwergeburten verhindert werden
  • Bei der Altmelkerfütterung muss das Futter energiereduziert sein
  • Nach dem Trockenstellen wird der Energiegehalt des Futters erneut reduziert
  • Drei Wochen vor der Kalbung Zumischung von Futterkomponenten der Frischmelker und Rationsgestaltung zur Vorbeugung von Milchfieber, außer bei Färsen (gesonderte Vorbereitungsfütterung, wenn möglich)
  • Vermeidung von selektivem Fressen ist wichtig
  • Konstante hohe Futteraufnahme in den Tagen vor der Kalbung sicherstellen

Haltungsbedingungen & Fressplatzgestaltung

Ein entscheidender Faktor, der oft unterschätzt wird, ist die direkte Kausalkette von Unbehagen zu Krankheit. Ein scheinbar kleines Problem in der Trockenstehzeit, wie Hitzestress oder Überbelegung, löst eine Kaskade von Folgeerkrankungen nach der Kalbung aus: Stressoren führen zu einer messbaren Reduzierung der Futteraufnahme. 48 bis 24 h vor der Kalbung rutscht die Kuh in eine physiologische negative Energiebilanz, welche durch die stressbedingte zusätzlich verminderte Futteraufnahme deutlich eher beginnen, sowie stärker und langanhaltender sein kann. 

Die Kuh beginnt, Körperfett zu mobilisieren, um das Defizit auszugleichen. Dies erhöht die Konzentration von freien Fettsäuren (NEFA) im Blut. Die Kuh hat also bereits vor der Kalbung mit einer erhöhten Stoffwechselbelastung zu kämpfen. Dieser vorbelastete Zustand erhöht das Risiko für klinische Erkrankungen nach der Kalbung stark. So sind Puerperalstörungen und Labmagenverlagerungen häufiger bei den Kühen zu finden, die vor der Geburt erhöhte NEFA-Konzentrationen im Blut hatten. In der Folgelaktation sinkt die Einsatzleistung und das Abgangsrisiko steigt, vor allem bei Mehrkalbskühen. Die Sicherstellung einer hohen Futteraufnahme in den Tagen vor und nach der Kalbung beugt Krankheiten wirksam vor. Ein guter Kuhkomfort in der Kalbebucht mit einer zum Fressen anregenden Futtervorlage und ausreichend Platz für ungestörtes Fressen sowie einer weichen Liegefläche für gutes Wiederkauen ist hierfür sehr hilfreich.

Checkliste für die ideale Vorbereitungsbucht

  • Platzangebot: Jede Kuh benötigt ausreichend Platz am Fressgitter (80 – 90 cm, für horntragende Kühe 85 – 100 cm) und in der Liegefläche (Gruppenbucht 9 – 10 m², Einzelbucht 16 m²). Überbelegung führt zu sozialem Stress, Verdrängung rangniederer Tiere und einer reduzierten Futteraufnahme, was der Beginn vieler Stoffwechselprobleme ist. 

Futterplatzgestaltung

Zu wenig Platz am Futtertisch. Der Futtertisch muss so gestaltet sein, dass alle Tiere der Haltungsgruppe gleichzeitig und ohne Beeinträchtigung fressen können.

Quelle: RGD Thüringen

Außenfuttertische sollten gut und einfach zu bewirtschaften sein. Hier geht viel Futter verloren und die Futtertischpflege wird durch den Trog erschwert.

Quelle: RGD Thüringen

Milchkühe müssen den gesamten Tag und die Nacht über Zugang zu gutem Futter haben. Der Futtertisch sollte nur für einen kurzen Zeitraum (Reinigung) leer sein. Ein über einen längeren Zeitraum leerer Futtertisch kann zu Tiergesundheitsstörungen und Leistungsverlust führen.

Quelle: RGD Thüringen

Durch das Fressverhalten der Kühe wird das Futter zum Teil vom Krippenbereich weggeschoben. Damit die Tiere stetig Zugang zum Futter haben, muss dieses regelmäßig herangeschoben werden.

Quelle: RGD Thüringen

Zusätzliche Futtertröge, wie die Kraftfutterschalen in AMS oder gesonderten Kraftfutterstationen, müssen täglich mindestens einmal kontrolliert und gereinigt werden.

Quelle: RGD Thüringen

Durch Futteranschieberoboter werden die Kühe mehrmals täglich zum Fressen animiert und auch rangniedrige Tiere haben die Möglichkeit regelmäßig zu fressen.

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

  • Einstreu und Liegefläche: Die Liegefläche muss stets sauber, trocken, weich und verformbar sein. Eine tiefe, gut gepflegte Strohmatratze ist ideal, da sie den Tieren Komfort bietet und den Keimdruck niedrig hält.

Boxenhygiene

Sauberer, gut eingestreuter Liegebereich. Tiefboxen müssen täglich von Verunreinigungen gesäubert und regelmäßig in kurzen Abständen oberflächlich mit Häckselstroh eingestreut werden. Das Einbringen von Desinfektionskalk unter die obere Strohschicht mindert das Infektionsrisiko.

Quelle: RGD Thüringen

Trockene und saubere Einstreu in ausreichendem Maße fördert den Liegekomfort und verhindert Verletzungen während der Kalbung. Das Infektionsrisiko für die Kuh und das neugeborene Kalb sinkt.

Quelle: RGD Thüringen

Durch das Aufbringen von Häckselstroh auf die Liegematte verbessert sich der Liegekomfort und dadurch auch die Liegezeit. Die Tiere sind sauberer und das Risiko für z. B. Euterinfektionen sinkt.

Quelle: RGD Thüringen

Verunreinigte und feuchte Einstreu mindert das Wohlbefinden der Kühe und erhöhte das Risiko für Erkrankungen bei Kühen und neugeborenen Kälbern.

Quelle: RGD Thüringen

Liegematten müssen regelmäßig komplett gereinigt werden. Angetrockneter Kot wird scharfkantig und kann zu Hautverletzungen führen. Das Risiko für Mastitiden steigt. Die Verwendung von z. B. Häckselstroh zur Abdeckung der Kunststoffmatte ist empfehlenswert.

Quelle: RGD Thüringen

Schlecht gepflegte Tiefliegeboxen steigern das Mastitisrisiko und führen zu Schäden an Haut und Gelenken.

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

  • Wasserversorgung: Ständiger Zugang zu reichlich frischem und sauberem Wasser ist unerlässlich. Trogtränken sind gegenüber Beckentränken klar im Vorteil, da sie eine höhere und schnellere Wasseraufnahme ermöglichen, was für den Stoffwechsel und die Futteraufnahme entscheidend ist.

Wasserzugang

Durch den Eintrag von Futterresten kommt es in den Tränken schnell zu einer Verunreinigung des Tränkwassers und zur Biofilmbildung. Das beeinflusst die Schmackhaftigkeit und damit die Wasseraufnahme negativ. Die tägliche Reinigung der Tränken ist unverzichtbar.

Quelle: RGD Thüringen

Kühe sind Saugtrinker und saufen am liebsten von der freien Wasseroberfläche. Querverstrebungen am Tränkebecken oder andere bauliche Begrenzungen schränken die normale Wasseraufnahme ein.

Quelle: RGD Thüringen

Damit Kühe ihr normales Saufverhalten ausleben können, sollten die Tränken entsprechend gestaltet sein. In Einzelboxen, wie z. B. Abkalbeboxen oder Krankenabteilen können auch kleinere Trogtränken eingebaut werden.

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

  • Lichtmanagement: Ein sogenanntes Kurztag-Lichtprogramm (8 Stunden hell bei 150 Lux, 16 Stunden dunkel) hat sich in der Praxis bewährt. Diese Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus bereitet den Hormonhaushalt der Kuh optimal auf die Kalbung und die anschließende Laktation vor. Für Bereiche, in denen intensiv kontrolliert wird, sind 450 Lux empfehlenswert. Dies lässt sich durch kurzfristig zuschaltbare Lichtquellen ermöglichen.
  • Umgang mit Hitzestress: Hochträchtige Kühe sind häufig anfällig für Hitzestress. Die Folgen sind eine reduzierte Futteraufnahme, ein geschwächtes Immunsystem und eine Beeinträchtigung der Entwicklung und späteren Leistungsfähigkeit des ungeborenen Kalbes. Ventilatoren, Sprinkleranlagen und ausreichend Schatten sind daher eine entscheidende Investition in die Gesundheit von Kuh und Kalb.

Achtung: Beim Einbau von Ventilatoren, Lüftern und Sprinkleranlagen sind immer die baulichen Gegebenheiten vor Ort zu prüfen. Querlüftung ist zu vermeiden, Sprinkleranlagen sollten nicht im Liegebereich verbaut werden und nicht in direkter Verbindung mit Lüftern / Zugluft genutzt werden.

Kühe unter Hitzestress

Für die Kuh beginnt der Hitzestress, tierindividuell, bereits bei 20°C. Eine erhöhte und deutlich erkennbare Atmung ist zu beobachten. So versucht das Tier die überschüssige Wärme loszuwerden. Das Anbringen von Ventilatoren oder Sprinkleranlagen (nicht im Liegebereich) kann helfen den Hitzestress zu verringern. Beim Einbau solcher technischer Hilfsmittel sollte eine fachmännische Beratung erfolgen.

Gruppenzusammenstellung

Die Gruppenzusammenstellung kann neben Fütterung und Haltungsbedingungen ebenfalls entscheidend für den Verlauf der Transitphase sein. 

Zum einen können sich die Tiere gegenseitig helfen

  • nervöse Färsen können durch ältere Kühe beruhigt werden
  • der Nachahmungseffekt kann das Einmelken von Färsen erleichtern

Zum anderen können sich die Tiere gegenseitig behindern

  • dominante (ältere) Kühe können anderen (jüngeren) Tieren den Zugang zu Wasser und Futter, gegebenenfalls auch zum Melkroboter erschweren
  • durch Dominanzverhalten kann ständige Unruhe in der Gruppe herrschen

Bitte beachten: Eine gute Tierbeobachtung ist wichtig, um eine passende Tiergruppe zusammenzustellen bzw. auf negative Veränderungen innerhalb der Gruppe reagieren zu können.

Tägliche Gesundheitskontrolle

Die tägliche, aufmerksame Beobachtung jeder einzelnen Kuh in der Vorbereitergruppe, sowie im Abkalbebereich und Frischabkalber- / Frischmelkerbereich ist unerlässlich, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

  • Fressverhalten & Pansenfüllung: Steht die Kuh aktiv am Fressgitter? Ist die linke Hungergrube gut gefüllt oder eingefallen? Ein Rückgang der Fress- und Wiederkauzeit ist eines der ersten und wichtigsten Alarmsignale für beginnende Probleme. Moderne Sensorsysteme können diese Parameter objektiv erfassen und frühzeitig warnen.

Hungergrube als Signal

Wenn die Hungergrube auf der linken Seite deutlich eingefallen ist, dann ist der Pansen nur geringgradig gefüllt. Die Kuh hat nicht genug gefressen.

Quelle: RGD Thüringen

Eine leicht vorgewölbte Hungergrube deutet auf einen gut gefüllten Pansen hin. Die Kuh hat ausreichend Futter aufgenommen. 

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

  • Euter: Das Euter muss täglich auf Anzeichen einer Entzündung (Mastitis) kontrolliert werden: übermäßige Schwellung, Rötung, Hitze oder Schmerzhaftigkeit. In der letzten Woche vor der Kalbung kann das Dippen der Zitzen helfen, das Infektionsrisiko zu senken.
    Achtung: Die Kontrolle des Euters soll hierbei nur optisch erfolgen. Händische Kontrollen erst dann, wenn der Verdacht einer krankhaften Veränderung besteht. Berührungen des Euters oder gar Melkversuche führen zum Anrüsten, was vorzeitigen Milchverlust zur Folge hat. Das Risiko einer Euterentzündung steigt. Sobald ein Milchfluss zu erkennen ist, gibt es für das Kalb später schlechteres oder kein Kolostrum.
  • Allgemeinzustand: Ein gesunder Gesamteindruck ist entscheidend. Achten Sie auf ein glattes, anliegendes Haarkleid, eine normale Kotkonsistenz und ein waches, aufmerksames Verhalten. Abstehendes, struppiges Fell, Durchfall oder Apathie sind Warnzeichen.
  • Körperkondition (Body Condition Score, BCS): Die Beurteilung der Körperkondition durch Abtasten der Lendenwirbel und des Schwanzansatzes ist eine einfache, aber effektive Methode, um die Energieversorgung der Kuh zu überprüfen. Ziel ist eine Kondition von etwa BCS 3,5 zur Kalbung. Die Tiere sollten in der Trockenstehzeit weder abmagern noch verfetten.

Körperkondition

Trockensteher mit guter Körperkondition. Die Körperkondition (BCS) sollte zum Trockenstellen zwischen 3,5 und 4,0 liegen. Sie darf sich während der Trockensteh- und Transitphase nicht mehr als 0,5 BCS – Punkte verändern. 

Quelle: RGD Thüringen

Vorbereiter mit zu geringer BCS

Quelle: RGD Thüringen

Überkonditionierte Kuh. Fettauflagerungen im Bereich des Beckens und der Schwanzwurzel können das Weiten des Geburtsweges einschränken und dadurch zu Geburtsstockungen führen. Kühe mit einem BCS ≥ 4 neigen verstärkt zu Ketosen und Fettmobilisationssyndrom.

Quelle: RGD Thüringen

Eine deutliche Abmagerung während der Trockenstehphase bzw. in den Tagen nach der Kalbung kann ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme und/oder Rangordnungsprobleme sein. Sind mehrere Tiere der Haltungsgruppe betroffen, sollten die Fütterung und Wasserversorgung sowie die Haltungseinrichtung und Arbeitsabläufe geprüft werden.

Quelle: RGD Thüringen

1 / 4

Frischmelker-Kuh

Die ersten zehn Tage nach der Kalbung

Die Phase unmittelbar nach der Kalbung ist für die Kuh eine Zeit starker Belastung und hoher Anfälligkeit für Erkrankungen. Der Stoffwechsel muss sich vollständig umstellen, die Gebärmutter muss sich zurückbilden und gleichzeitig produziert die Kuh Milch. Eine tägliche, systematische und dokumentierte Gesundheitskontrolle in den ersten zehn Tagen ist daher dringend zu empfehlen.

Erstversorgung der Mutterkuh direkt nach der Geburt

Unmittelbar nachdem das Kalb versorgt ist, muss die Aufmerksamkeit dem Muttertier gelten, um ihr den Start in die Laktation zu erleichtern.

  • Wasser und Energie: Bieten Sie der Kuh sofort nach der Geburt einen großen Eimer (40-60 Liter) mit lauwarmem Wasser an. Die Zugabe eines speziellen Kalbetrunks oder Energieträgers ist sehr empfehlenswert. Diese große Flüssigkeitsmenge füllt den Pansen, was einer Labmagenverlagerung vorbeugt, gleicht den Flüssigkeitsverlust durch die Geburt aus und stabilisiert den Kreislauf.
    Bitte beachten: Die Wassergabe sollte sofort, nachdem das Kalb geboren wurde, erfolgen. Die Kuh ist dann kurze Zeit abgelenkt und man kann sich schnell einen Überblick über die Vitalfunktionen des Kalbes verschaffen. Sobald die Kuh das Kalb „entdeckt“ hat, säuft sie das Wasser nicht mehr.
  • Futter: Stellen Sie sicher, dass die Kuh sofortigen und leichten Zugang zu frischem, schmackhaftem Futter hat, idealerweise die TMR der Frischmelkergruppe. Zusätzlich sollte Heu zur freien Aufnahme bereitgestellt werden, welches die Futterumstellung / Pansenfunktion unterstützt.
  • Milchfieberprophylaxe: Besonders bei Kühen ab der dritten Laktation und bei Tieren, die in der Vergangenheit bereits an Milchfieber erkrankt sind, kann die vorbeugende Gabe von Kalzium (z.B. als Bolus, Drench) eine effektive Routinemaßnahme sein.

Frühwarnsystem für die häufigsten Probleme

Die tägliche Kontrolle anhand der nachfolgenden Checkliste hilft, die folgenden häufigen Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

Milchfieber (Hypokalzämie)

  • Anzeichen: In der klinischen Form zeigt die Kuh kalte Ohren und Gliedmaßen, einen unsicheren, schwankenden Gang, Muskelzittern, bis hin zum Festliegen mit zur Flanke gedrehtem Kopf. Weitaus häufiger, aber nicht sichtbar, ist das subklinische Milchfieber, bei dem der Kalziumspiegel zwar nicht zum Festliegen führt, aber niedrig genug ist, um die Muskelkontraktion (Pansen, Gebärmutter) zu beeinträchtigen und so Folgeerkrankungen wie Ketose, Labmagenverlagerung und Nachgeburtsverhalten zu begünstigen.
  • Handlung: Bei Festliegen ist sofort der Tierarzt zu rufen. Eine angepasste Vorbereitungsfütterung (DCAB) und eine gezielte Kalziumgabe nach der Geburt wirkt präventiv.
    Bitte beachten: Nicht jedes Festliegen begründet sich auf einen Kalziummangel, vor allem nicht bei Erstkalbinnen. Verletzungen der Nerven / Muskulatur oder auch Knochenbrüche können ebenfalls ursächlich sein. Auch eine Euterentzündung (Coli – Mastitis, Infektion mit Staph. aureus) kann zum Festliegen führen. In manchen Fällen ist das Tier auch nur erschöpft und möchte nicht aufstehen. Nur der Tierarzt kann eine genaue Ursache des Festliegens feststellen.

Ketose (Acetonämie)

  • Anzeichen: Das Leitsymptom ist Appetitlosigkeit, insbesondere die Verweigerung von Kraftfutter. Die Kuh verliert rapide an Körperkondition, wirkt apathisch („leerer Blick“) und hat oft einen charakteristisch süßlichen (Aceton-)Geruch im Atem oder in der Milch.
  • Handlung: Bei einem Auftreten dieser Symptome können direkt im Stall einfache Schnelltests zum Nachweis von Ketonkörpern durchgeführt werden, um den Verdacht auf Ketose zu bestätigen. Bei einem positiven Ergebnis muss sofort eine tierärztliche Behandlung durchgeführt werden, jeder Zeitverlust verschlechtert die Prognose für die Kuh.

Nachgeburtsverhalten (Retentio secundinarum)

  • Anzeichen: Normalerweise sollte die Nachgeburt innerhalb von sechs Stunden nach der Kalbung abgegangen sein. Hängen nach 12 Stunden immer noch Teile der Eihäute aus der Scheide, spricht man von Nachgeburtsverhalten. Oft ist die Nachgeburt aber auch gar nicht sichtbar (wurde gefressen oder verbleibt vollständig in der Gebärmutter). In diesem Fall sind indirekte Anzeichen wie Fieber (Körpertemperatur > 39,5 °C), ein gestörtes Allgemeinbefinden und ein übelriechender, wässriger Scheidenausfluss entscheidende Warnsignale.
  • Handlung: Entfernung leicht zu lösender Nachgeburtsteile (nur nach Rücksprache mit und Einführung durch den Tierarzt, da bei unsachgemäßem Vorgehen großflächige Blutungen in der Gebärmutter entstehen können), bei Fieber Schmerzmittel und bei schweren Verläufen Antibiotika (Tierarzt zu Rate ziehen).

Gebärmutterentzündung (Metritis/Endometritis)

  • Anzeichen: Oft als direkte Folge von Nachgeburtsverhalten, unhygienischer Geburtshilfe oder einer allgemeinen Immunschwäche. Die Leitsymptome sind Fieber, verminderte Fresslust und ein typischer wässriger, rötlich-brauner und übelriechender Scheidenausfluss.
  • Handlung: Eine akute Metritis erfordert sofortige Behandlung durch den Tierarzt. Die Aufgabe des Personals im Stall ist die frühzeitige Erkennung durch die konsequente tägliche Gesundheitskontrolle.

Checkliste Gesundheitskontrolle (Word)

Checkliste Gesundheitskontrolle (PDF)

Zusammenfassung

1. Komfort: Eine stressfreie, saubere und bequeme Umgebung ist die Basis für alles Weitere. Sie ist die wirksamste Form der Krankheitsvorbeugung.

2. Futteraufnahme: Eine je nach Phase angepasste Futteraufnahme, besonders in der Zeit um die Kalbung, ist der beste Schutz vor Stoffwechselentgleisungen.

3. Hygiene: Hygiene ist keine einzelne Aufgabe, sondern ein durchgängiges System. Eine ununterbrochene Kette der Sauberkeit – von der Abkalbebox über die Geburtshilfe bis zur Kolostrumversorgung – schützt die Tiere im Betrieb.

4. Gruppenzusammenstellung: Die passende Tiergruppe kann die Kühe in der Transitphase unterstützen. 

5. Systematische Beobachtung: Beobachtung ist eine aktive Fähigkeit zur Datenerfassung. Die Nutzung von Checklisten ist empfehlenswert, um nichts zu übersehen und Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Die Erarbeitung der Checklisten sollte gemeinsam mit dem betreuenden Tierarzt erfolgen. 

6. Schnelles Handeln nach Protokoll: Zögern Sie bei Warnsignalen nicht.